Autorin: Andrea de Groot

Teil 3: Natürliche Familienplanung und Zykluscomputer

In dieser dreiteiligen Spezialserie zum Thema Verhütung haben wir die wichtigsten Verhütungsmethoden für Sie zusammengefasst, inklusive der Kosten und Nebenwirkungen.

zykluscomputer

In Ausgabe 2 und 6 des Spirit of Health Magazins stellten wir Ihnen die hormonellen und die Barrieremethoden zur Empfängnisverhütung vor. In diesem dritten Teil gehen wir detailliert auf die bekanntesten natürlichen Verhütungsmethoden ein, wie die sogenannte Natürliche Familienplanung (NFP), die Natürliche Empfängnisregelung (NER), wie auch die Nutzung moderner Zykluscomputer und Zyklusapps.

Bei der natürlichen Verhütung geht es primär darum den Körper der Frau kennen zu lernen und die fruchtbare Phase in ihrem Zyklus zu erkennen. Denn nicht an jedem Tag kann überhaupt eine Schwangerschaft eintreten. Die reife Eizelle ist nach dem Eisprung nur maximal 18 Stunden befruchtbar und Spermien können maximal 5 Tage im weiblichen Körper befruchtungsfähig bleiben. Falls einmal zwei oder mehr Eisprünge vorkommen, so geschieht dies innerhalb 24 Stunden. Demnach kann Geschlechtsverkehr an nur sechs Tagen pro Zyklus zu einer Schwangerschaft führen. Jede Frau ist anders, und kein Zyklusverlauf ist exakt gleich wie der folgende oder der davor. Dennoch gibt es ganz klare Zeichen dafür, ob eine Frau fruchtbar ist oder nicht.

Die drei Fruchtbarkeitszeichen

1. Basaltemperatur: Dies ist die Körpertemperatur im Ruhezustand, morgens, gleich nach dem Aufwachen. Der Zyklus beginnt mit dem ersten Tag der Menstruation, wobei die Temperaturen im niedrigeren Bereich sind, der sogenannten Tieflage. Nach dem Eisprung steigt diese Temperatur minimal an und bleibt erhöht, die sogenannte Hochlage, bis sie Richtung Menstruation wieder absinkt. Grund dafür ist der Gelbkörper, der nach dem Eisprung Progesteron ausschüttet, wodurch die Körpertemperatur leicht erhöht wird. Kommt es zu einer Befruchtung des Eis, so bleibt die Temperatur erhöht.

2. Zervixschleim: Die Konsistenz des Zervixschleims ändert sich im Laufe des Zyklus, damit die Spermien in der hochfruchtbaren Zeit besser an ihr Ziel gelangen können. Die Beschaffenheit des Schleims geht von “trocken”, über “klebrig”, “cremig” bis hin zu “flüssig”.

3. Position des Muttermundes: Je nachdem, wo sich die Frau im Zyklus befindet, verändert sich auch die Position und Beschaffenheit des Muttermundes. In der unfruchtbaren Zeit ist der Muttermund hart und geschlossen. Er ist dann etwas weiter unten positioniert, so dass Frau ihn leicht mit dem Finger ertasten kann. Richtung Eisprung wandert der Muttermund etwas höher und wird weicher. Damit die Spermien die Eizelle befruchten können, öffnet sich der Muttermund leicht. Nun ist er etwas schwieriger oder eventuell gar nicht mit den Fingern zu ertasten.Es gibt verschieden Methoden diese Faktoren auszuwerten, um die Fruchtbarkeit zu erkennen. Wer noch nicht bereit ist für Nachwuchs, nutzt an den fruchtbaren Tagen eine Barrieremethode, um eine Schwangerschaft zu verhindern oder bleibt in dieser Zeit abstinent. Wer sich hingegen Familienzuwachs wünscht, kann diese Zeit gezielt nutzen, um ein Baby zu planen.

Die Symptothermale Methode

Der australische Neurologe John Billings fand heraus, dass man an der Beschaffenheit des Schleims am Muttermund erkennen kann, ob der Eisprung kurz bevorsteht oder nicht. Diese Methode ist deshalb unter dem Namen Billings-Methode bekannt. Da der Schleim auch noch durch andere Faktoren beeinflusst werden kann (z.B. Entzündungen), steht diese Überprüfung für sich allein genommen aber in Verruf recht unsicher zu sein.

Bei der symptothermalen Methode werden deshalb, um die Sicherheit zu erhöhen, sowohl die Basaltemperatur, als auch Zervixschleim oder Muttermundbeobachtung zur Erkennung der fruchtbaren Phase hinzugezogen.

Bei der Natürlichen Familienplanung (NFP), zum Beispiel nach Sensiplan®, wird die Basaltemperatur zusammen mit einem oder beiden Symptomen zur Bestimmung der weiblichen Fruchtbarkeit herangezogen. Wichtig hierbei ist, dass die Temperatur immer um die gleiche Zeit gemessen wird, damit eine manuelle Auswertung überhaupt möglich ist. Denn mit der Tageszeit steigt auch die Körpertemperatur leicht an und dies kann von der Anwenderin als Temperatursprung (Eisprung) missinterpretiert werden. Der Pearl-Index der Methode bei perfekter Anwendung liegt bei 0.4, in der tatsächlichen Anwendungssicherheit   liegt der Pearl Index der Methode bei 2.3.

Die Natürliche Empfängnisregelung (NER) nach Rötzer setzt hierbei auf die Partnerschaftlichkeit. Empfängnisregelung statt Verhütung. Es wird ebenfalls auf die wichtigsten Zeichen der Fruchtbarkeit geschaut: die Basaltemperatur, wie auch die Beschaffenheit des Zervixschleims. An den fruchtbaren Tagen wird auf Praktiken, die zu einer Schwangerschaft führen können, verzichtet. Gemeinsame Enthaltsamkeit und das Erleben alternativen Zusammenseins nach der Lehre Rötzers bringen es, laut INER, auf einen Pearl-Index von 0.8 in der Anwendung.

Die natürlichen Methoden können grundsätzlich von allen Frauen angewendet werden

Der klare Vorteil liegt hier in einer sowohl kostengünstigen als auch nebenwirkungsfreien Alternative für beide Partner. Allerdings sind diese Methoden eher für langwierige Partnerschaften geeignet, denn sie setzen einen gewissen partnerschaftlichen Umgang und Vertrauen ineinander voraus. Macht der Partner nicht mit, will er nicht auf Geschlechtsverkehr während der fruchtbaren Phase verzichten oder mittels Barrieremethode verhüten, so endet die Reise zu den natürlichen Alternativen bereits hier – oder eventuell auch die Partnerschaft.

Für Frauen, die sich nicht wohl bei dem Gedanken fühlen, täglich ihre Finger in die Vagina einzuführen, für die ist die Symptothermale Methode nicht unbedingt geeignet. Scheu vor dem eigenen Körper und den dazugehörigen Flüssigkeiten haben hier keinen Platz. Auch sind sich viele Anwenderinnen besonders zu Anfang sehr unsicher die Symptome richtig einzuschätzen. Es erfordert Übung und täglich etwas Arbeit. Alle Beobachtungen müssen dokumentiert und zusammen mit der Temperaturkurve ausgewertet werden. Wer sich für die händische Auswertung der Daten entscheidet, kann sich bei sogenannten Zyklusexpertinnen oder Fruchtbarkeitsexpertinnen vorab beraten und auch begleiten lassen. Es gibt deutschlandweit   ausgebildete Beraterinnen, die zum Beispiel nach Sensiplan® oder der NER lehren.

Zyklusrechner Apps

Das digitale Zeitalter macht natürlich auch nicht vor unseren Zyklusdaten halt. Es gibt online unzählige kostenlose wie auch zahlungspflichtige sogenannte Zyklusrechner oder Zykluskalender-Apps. In diese kann frau ihre Temperaturwerte (die sie vorher mittels eines digitalen oder analogen Thermometers gemessen hat), Menstruationsdaten und Beobachtungen bzgl. Muttermund bzw. Zervixschleim eingeben. Einige Apps dienen alleine der Speicherung und stellen die Daten graphisch dar, während andere auch die Berechnungen der fruchtbaren und unfruchtbaren Phase für die Nutzerin übernehmen. Sie sollen so helfen den Unsicherheitsfaktor zu reduzieren, jedoch muss die Nutzerin nach wie vor entscheiden, wie sie ihre Fruchtbarkeitsfaktoren bewertet. Es bleibt also sehr nutzerinnenabhängig, wie sicher eine App, die die Auswertung übernimmt, in der Praxis tatsächlich ist.

Wer auf die Sicherheit seiner Daten viel Wert legt, sollte bei der Nutzung solcher Apps vorsichtig sein. Die Nutzung von kostenfreien Apps kann sich durchaus als Datenfalle herausstellen, denn, wie man so schön sagt, “nichts ist umsonst”. Es sollte genau geprüft werden, wer hinter der App steckt, denn niemand stellt seine wertvolle Arbeit kostenfrei zur Verfügung. Der Verdienst kann also durchaus versteckt sein, in Form von Verkauf kostbarer Daten an Dritte, und das ohne Einwilligung der Nutzer. Und es geht hierbei nicht nur um reine Zyklusdaten, sondern auch um Alter, Gewicht und andere Gewohnheiten, die häufig in diesen Apps als spezielles Gimmick abgefragt werden – dies alles kann für viel Geld und ohne Wissen der Nutzerinnen weitergegeben werden.
Einige Apps sind zahlungspflichtig und je nach AGB sind Ihre Daten dort ggf. sicherer als bei kostenlosen Anbietern, bei denen die Datenpolitik weniger transparent ist.

Moderne Zykluscomputer

Das Ganze kann nur noch durch eines übertroffen werden: moderne Zykluscomputer. Statt die Temperatur erst per Thermometer zu messen und dann entweder auf ein Blatt Papier zu schreiben oder in eine App einzutragen, gibt es intelligente Computer, die alles vereinen: Thermometer, intelligente Software zur Fruchtbarkeitsbestimmung und Display.
Auch hier gibt es verschiedene Anbieter und entsprechend variable Displays und Systeme.

Die bekanntesten Zyklusmonitore arbeiten alleine mit der Temperaturmethode und es werden keine zusätzlichen Faktoren zur Fruchtbarkeitsbestimmung hinzugezogen, außer der Menstruationseingabe. Fehlerquellen, die nutzerbedingt sind und somit die Sicherheit bei der händischen Auswertung beeinträchtigen können, werden so um ein Vielfaches reduziert.

Die intelligente Software lernt den Zyklus seiner Nutzerin kennen und errechnet dann, aus Kombination von Menstruationseingabe und täglicher Messung der Basaltemperatur, wann der Eisprung stattfinden wird. Zyklusmonitore müssen, damit sie der Nutzerin rechtzeitig signalisieren können, dass die fruchtbare Zeit beginnt, den Eisprung schon prognostizieren bevor er überhaupt stattgefunden hat. Denn durch die Überlebenszeit der Spermien muss schon mindestens fünf Tage vor dem Eisprung entweder auf Geschlechtsverkehr verzichtet oder mit einer Barrieremethode verhütet werden, damit Spermien nicht lange genug überleben können, um womöglich doch noch ein Ei zu befruchten.

Die Anschaffungskosten von Zyklusmonitoren hängen sehr vom Hersteller ab. Was zunächst als sehr hoher Preis empfunden wird, amortisiert sich allerdings schon nach etwas über einem Jahr, wenn man ihn mit anderen Verhütungsmethoden, wie beispielsweise der Pille vergleicht. Die meisten Zykluscomputer haben keine Folgekosten (wie zum Beispiel LadyComp, Daysy und Pearly). Zykluscomputer jedoch, die das luteinisierende Hormon (LH), welches den Eisprung auslöst, im Morgenurin messen, brauchen hingegen zusätzliche Teststreifen (wie beispielsweise Persona).

Die Sicherheit unterscheidet sich von Gerät zu Gerät und oft sind Sicherheitsangaben nicht extern geprüft (in Form klinischer Studien), sondern alleine auf Angaben des Herstellers basierend. Es gilt also unbedingt zu prüfen, ob die Hersteller auch über externe Studien verfügen, die die Sicherheit ausreichend geprüft haben. Persona hat beispielsweise eine Sicherheit von 94%, was ein Pearl Index von 6 bedeutet. Der Fertilitätsmonitor Daysy hingegen hat eine geprüfte Sicherheit von 99.3% => also einen Pearl Index von 0.7.

Es gilt, je niedriger der Pearl Index, desto sicherer ist die Methode. Der Pearl Index misst, wie viele Frauen innerhalb eines Jahres bei der korrekten Anwendung einer bestimmten Verhütungsmethode schwanger wurden. Wird 1 Frau von 100 innerhalb eines Jahres schwanger, so liegt der Pearl Index bei 1.

Folgen für die Gesundheit: Keine der natürlichen Verhütungsmethoden hat irgendwelche Nebenwirkungen, da nicht in den natürlichen Ablauf des Körpers eingegriffen wird.

Welche Methode ist die Richtige für Sie?

Sie werden es geahnt haben, denn die Antwort lautet: “Es kommt ganz darauf an!”
Was suchen Sie? Leben Sie in einer festen, beständigen Partnerschaft? Kommen Sie gut mit Kondomen zurecht und macht es Ihnen nichts aus diese immer zu nutzen? Möchten Sie trotz starker oder gar tödlicher Nebenwirkungen weiterhin hormonell verhüten, weil Sie glauben, Sie würde es nicht treffen? Sind Sie an Ihrem eigenen Körper interessiert und möchten ihn besser kennen lernen? Ist ihr Partner mit ihm Boot, egal für welche Methode Sie sich entscheiden?

Natürliche Verhütungsmethoden können, bei der händischen Auswertung, etwas zeitintensiver sein. Zykluscomputer hingegen können hier einen großen Teil der Arbeit für Sie übernehmen. Jedoch ist es jede der hier aufgezählten natürlichen Methoden Wert in Betracht gezogen zu werden, je nachdem wie viel Aufwand Sie selbst bereit sind dafür aufzuwenden.
Sie werden belohnt!

Besonders, wenn Sie zuvor hormonell verhütet haben, werden Sie (und sicherlich auch ihr Partner) sich über ein ganz neues Körpergefühl freuen. Ihre Libido wird sich nach einiger Zeit zurückmelden und Sie werden höchstwahrscheinlich viele Beschwerden plötzlich nicht mehr haben, die Sie nicht einmal in Verbindung mit ihrer Verhütungsmethode gebracht haben. Denn dank des Internets gibt es Zeugnisse unzähliger Frauen, die berichten, wie sich Migräne, Schwindelanfälle und viele weitere typische Nebenwirkungen hormoneller Verhütungsmittel plötzlich in Luft auflösten.

Sie werden ein ganz neues Körpergefühl entwickeln und endlich spüren können was ihr Körper alles kann. Denn unsere Menstruation ist keine Krankheit, die mittels künstlicher Hormone abgestellt gehört, sondern sie ist eine Art “Lagebericht” unsere Körpers. Unser natürlicher, durch künstliche Hormone ungestörter Zyklus zeigt, ob wir gesund oder gestresst sind oder etwas nicht in Ordnung ist.

Zeit umzudenken! Zeit für uns! Denn Verhütung ist weder nur Frauen-, noch nur Männersache – sondern eine partnerschaftliche Entscheidung, bei der die Gesundheit des Körpers, als Zuhause des Geistes, oberste Priorität haben sollte.
Quellen:

www.iner.org

http://www.sensiplan-im-netz.de

https://de.wikipedia.org/wiki/Verhütungscomputer

www.daysy.me

www.lady-comp.de

http://verhutung.clearblue.com

Verhütung: Ist „natürlich“ auch sicher?

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