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Im Gespräch mit Andrew Fretwell

Meditation, Gebete, Mantras, Tantra, Fasten, Jakobsweg, Golf spielen, Schwitzhütte, Extremsport oder vielleicht mit einem Bund Petersilie auf dem Zebrastreifen tanzen? Jedem Tierchen sein Pläsierchen könnte man sagen, wenn es um Selbsterfahrung geht. Das Ziel dabei ist – bei manchen mehr, bei anderen weniger – in Kontakt mit sich selbst zu kommen, sich selbst besser kennen zu lernen, sich selbst zu erfahren und zu erkennen. Eine weitere Möglichkeit, um das zu erreichen, ist die Kontemplation.

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Der Begriff Kontemplation (lat. contemplatio) bedeutet, den Blick oder das Gewahrsein auf etwas zu richten. In der Kontemplation ist man offen für alles, was geschieht. Man sitzt in aufrechter Haltung, braucht nichts zu leisten, nicht einmal die Konzentration auf ein bestimmtes Thema oder einen Gegenstand. Es geht schlichtweg ums Akzeptieren und Loslassen. Regelmäßig praktiziert, kann die Kontemplation zu mehr Achtsamkeit und Gewahrsein führen. Die Erfahrung Gottes im eigenen Wesen ist dabei etwas, das geschehen kann.

Mit seinem Buch „Die 64 Genschlüssel – Das Öffnen der verborgenen Bestimmung unserer DNA“ gab uns Richard Rudd eine Art System an die Hand mit der Absicht, dass wir mittels Kontemplation über die Symbole des I Ging unser Leben transformieren, sogar unsere DNA verändern können, wobei die Symbole des I Ging uns etwas über unsere Licht- und Schattenaspekte verraten sollen. Unser Gastautor Aharon Schlemmer ließ uns bereits in vorherigen Ausgaben an seinen persönlichen Erlebnissen während der Auseinandersetzung mit den Genschlüsseln teilhaben. Er kam als Übersetzer des Buches, das im Jim Humble Verlag erschienen ist, mit dieser Art der Selbsterfahrung in Berührung.

Im Gespräch mit Andrew Fretwell

In dieser Ausgabe erfahren wir von Andrew Fretwell, was es mit der Kontemplation über die 64 Genschlüssel auf sich hat. Der Brite war einige Jahre als professioneller Musiker unterwegs, als er mit 21 ein kraftvolles spirituelles Erlebnis hatte, das seine Wahrnehmung von der Welt nachhaltig veränderte. Ab diesem Moment wurde es für ihn zur kontinuierlichen Herausforderung das Erlebte in seinen Alltag zu integrieren und das führte ihn zu verschiedenen Lehrern aus den Bereichen der Selbsterfahrung bzw. -kultivierung. Über die Jahre wurde ihm immer klarer, wie wichtig es ist seine emotionalen und physischen Körper für die höchsten Frequenzen des Geistes zu kultivieren. Im Zuge dessen spezialisierte sich Andrew auf Chi Nei Tsang (CNT), eine Körperarbeit, die Verspannungen und Emotionen gleichermaßen zu lösen vermag, indem man sich über unbewusste und versteckte emotionale „Ladungen“, die wiederum alle möglichen Symptome verursachen können, bewusst wird. Er praktiziert die Methode seit Jahren erfolgreich in seiner Praxis und bildet auch aus.

SoHM: Du warst schon intensiv auf dem spirituellen Weg, als du Richard Rudd kennen lerntest. Wie hat diese Begegnung dein Leben verändert?

Andrew: Diese Begegnung war für mich ein Wink des Schicksals. Wir stellten fest, dass wir zuvor von denselben Lehrern ausgebildet worden waren. ‘Ich fühle mich immer noch gesegnet, dass ich Richard begegnet bin und ich kann das große Privileg mit ihm befreundet zu sein kaum in Worte fassen. Richard ist für mich das lebendige Beispiel eines Genies, das mit den 64 Genschlüsseln etwas von unbezahlbarem Wert in die Welt „geboren“ hat, etwas, das das Leben völlig klären und transformieren kann. Darum bin ich heute selbst so leidenschaftlich dabei das Wissen um die Genschlüssel mit möglichst vielen Menschen zu teilen. Richard ist zudem einer der wenigen Lehrer, deren einziges Interesse der Frieden eines jeden Individuums ist.

SoHM: Wie kann man sich solch eine Kontemplation eigentlich vorstellen? Wie eine Art Visualisierung oder eher wie ein mentales „Verschmelzen“ mit der Energie der Symbole?

 Andrew: Das ist eine gute Frage. Ich denke, Kontemplation ist eine Art Selbst-Ehrlichkeit. Es bedeutet für mich, wirklich ehrlich in sich selbst zu versinken. Im Leben geschehen verschiedene Dinge. Wenn das tolle Ereignisse sind, fühlen wir uns wunderbar. Aber wenn es sich um welche handelt, die bei uns irgendwelche Knöpfe drücken, bereiten sie uns Unwohlsein oder womöglich auch sehr schmerzvolle Gefühle. Was wir in solchen Situationen normalerweise tun, ist, dass wir das Unangenehme, den Schmerz, dann nicht fühlen wollen. Eine entscheidende Qualität der Kontemplation ist daher Ehrlichkeit, ehrlich mit sich selbst und seinen Gefühlen zu sein, die durch äußere Ereignisse angetriggert werden. Eine andere Art der Interpretation ist, sich kleine Kinder anzusehen. Sie tauchen grundsätzlich auf eine sehr tiefe Weise ins Leben ein. Sie können in einem Moment fröhlich, im nächsten traurig, wütend oder frustriert sein, aber man sieht nie wirklich depressive Kinder, sofern sie in einer insgesamt behüteten Umgebung aufwachsen. Warum ist das so? Einer der Gründe dafür ist, dass ihre Identität noch nicht ‘ge- oder verformt’ wurde. Sie sind also noch nicht rigide in ihrer Identität. Sie erlauben es sich noch, ihre Emotionen einfach fließen zu lassen. Kontemplation heißt für mich daher auch, sich selbst genau das zu erlauben, nämlich wirklich alles absolut tief zu fühlen. Wenn also wieder etwas in deinem Leben passiert, das dich irgendwie antriggert, dann sei einfach wirklich ehrlich! ‘Oh mein Gott, ich fühle Schmerzen, furchtbare Schmerzen!’ Dann merkst du womöglich, dass es dafür vielleicht eine Art Muster gibt, weil es sich ständig wiederholt, weil immer dann, wenn jemand auf diese oder jene Weise mit dir spricht, du entsprechend reagierst. Bei der Kontemplation geht es also darum, sich auf tiefste und ehrliche Weise mit sich selbst auseinanderzusetzen. Ich glaube, das ist insgesamt eine geeignete Erklärung.

SoHM: Was ist denn der Unterscheid zwischen der Kontemplation über die Genschlüssel und beispielsweise der Methode „The Secret“, die vor einigen Jahren eine regelrechte Welle auslöste?

 Andrew: Das ist auch wieder eine interessante Frage. „The Secret“ ist ein wunderbares Instrument, um die eigene Realität zu gestalten, um etwas zu kreieren, das du in deinem Leben erreichen willst. Die Genschlüssel sind nicht gegen diese Methode und auch nicht dagegen ein besseres Leben, Spaß zu haben und dich selbst zu feiern. Die Genschlüssel gehen aber tiefer. Sie sagen: Ok, wenn du ein besseres Leben haben willst, was verursacht dann immer wieder den Schmerz? Sie gehen also zurück auf die Idee des Schmerzes. Die Genschlüssel fordern dich dazu auf wirklich tiefer als nur auf dein Verlangen zu schauen und hinzuspüren. Sie sind wirklich ein Programm, das Mut erfordert. Bei den Genschlüsseln geht es eher darum dein Verlangen auszuhalten, statt es zu befriedigen, denn diese Aktion, zu versuchen dein Verlangen zu erfüllen, bringt dich eher weiter weg von dem, was dir in deinem Inneren unglaublich erscheint. Eine Lehre der Genschlüssel ist, dass alles, was uns im Leben passiert, einem höheren Zweck dient. Das ist wirklich die Hauptlehre dahinter. Jeder Schatten, jeder Schmerz hat einen höheren Zweck. Die Genschlüssel sind also nicht gegen etwas wie „The Secret“; sie bieten dir nur einen anderen Weg. Sie vermitteln eher die Botschaft: „Weißt du was, du hast schon alles in dir, was auch immer du brauchst!“ Und wenn du da tiefer einsteigst, beginnst du das auch zu entdecken und deine Blockaden aufzulösen. Am Ende findest du die Liebe, das, was wir ja wirklich wollen und auch finden, wenn wir unser Herz öffnen. Warum sonst wollen wir Millionen auf der Bank? Doch nur, um mehr Liebe zu bekommen. Warum wollen wir berühmt sein? Doch auch nur, um mehr Liebe zu fühlen! Die Genschlüssel sagen dir: Was willst du? Liebe ist schon da! Sie ist schon tief in dir! Das ist der wesentliche Unterschied zu „The Secret“.

SoHM: Wovon hängt es ab, ob jemand mehr Schattenaspekte in seiner DNA oder mehr Licht-Aspekte hat? Hat das etwas mit Familienmustern, der Sozialisation oder dem Karma zu tun?

Andrew: Nun, eine Seele kommt ins Leben mit allem, was sie braucht, um sich zu vervollständigen. Man kann eigentlich nicht unterscheiden zwischen dem Karma unterschiedlicher Personen. Das ist auch etwas, das wir niemals wirklich wissen können und gehört zu den Dingen jenseits unseres Verstandes. Was ich aber sagen kann, ist, dass alle von uns denselben Schmerz fühlen und sich alle von uns nach Liebe sehnen. Jeder von uns hat die Genschlüssel in sich und somit auch alle Schattenaspekte und Gaben. Es gibt aber einige, die ausgeprägter sind, die bei unserer Geburt aktiviert werden. Das ist vielleicht keine so ganz eindeutige Antwort auf die Frage, denn es bleibt letztendlich wohl ein Mysterium, warum manche Menschen ein viel härteres Leben als andere haben. Es ist also etwas, das man nicht wirklich mit dem Verstand erfassen kann.

SoHM: Wie sind denn all die bösen Tendenzen auf der Welt mit Blick auf die Genschlüssel zu verstehen?

Andrew: Ich denke, die Art und Weise, um in diese Frage einzutauchen, hat etwas damit zu tun, die unterschiedlichen Ebenen von Bewusstheit zu verstehen. Wenn wir uns Genschlüssel 22 ansehen, geht es dabei um die subtile Bedeutung des Leidens. Und je tiefer du über diesen Genschlüssel kontemplierst, desto mehr beginnst du zu realisieren, dass das Konzept von Gut und Böse zu verschwinden beginnt. Es gibt kein Ding “gut oder schlecht oder böse”, kein Ding “oben oder unten”, kein Ding “Mann oder Frau”. Das zeigt sich nur im Physischen, Emotionalen und Mentalen. Wenn du von der Ebene der Seele ausgehst, gibt es diese Bewertungen nicht. Da geht es nur ums Lernen und um Erfahrungen. Das ist wirklich etwas, um darüber zu kontemplieren. Nimm als Beispiel jemanden, der unzählige Menschen auf physischer Ebene tötet, ein Dikator zum Beispiel. Auf Seelenebene kann das alles ganz anders aussehen. Es ist wirklich sehr schwierig das auf Verstandesebene zu erfassen und all die unterschiedlichen Bewusstseinsebenen zu verstehen. Eine andere Art der Betrachtung ist, dass die Seelen hier inkarnieren, um die Energie, die in der physischen Form gebunden ist, zurückzuerlangen. Alles, was wir als Konflikte oder als „böse“ erleben, ist in der physischen Form gebundene Energie, die es zu erlösen und im Bewusstsein und im Leben selbst zu integrieren gilt. Wenn du etwa eine Frau und einen Mann betrachtest, die lange zusammen sind, transformieren sie eigentlich etwas aus dem Kollektiv, denn gerade bei Paaren, die länger zusammen sind, zeigt sich, dass sich alle möglichen Schattenseiten offenbaren, die im besten Fall nicht als „böse“ interpretiert werden. Und wenn die Liebe des Paares stark genug ist, können beide diese Schattenseiten oder „negativen Muster“ erlösen und in Liebe transformieren, woran sie beide wachsen können. Daher hat alles Böse, was wir in den Genschlüsseln „Schatten“ nennen, einen höheren Zweck, denn es ist immer noch Energie, auch das so genannte Böse ist Energie und Bestandteil des Lebens.

SoHM: Vorausgesetzt, wir leben in einer Welt der Polarität, ist es dann überhaupt möglich, alle Schattenaspekte völlig zu überwinden oder zu erlösen?

Andrew: Ja, ganz gewiss. Wir werden unschuldig geboren. Wenn du ein kleines Baby ansiehst, ist es absolut unschuldig. Wenn es dir wirklich gelingt dein Herz wieder ganz zu öffnen wie ein kleines Kind, kannst du alle Schattenaspekte überwinden. Das ist der Sinn und Zweck der Genschlüssel, dass wir alle Schattenaspekte in unserer DNA transformieren und erlösen. Es ist möglich, aber eine Reise, die sehr viel Mut und Ehrlichkeit erfordert, doch das Ziel ist gewiss erreichbar. Seit ich über die Genschlüssel kontempliere – und das mittlerweile seit Jahren –, merke ich, wie meine Schattenanteile deutlich weniger wurden. Es gibt seitdem mehr Freude, mehr Liebe in meinem Leben. Klar, es passiert immer wieder mal, dass mich etwas antriggert, aber ich merke das dann schneller, gehe in mich, transformiere es und erlöse es damit.

SoHM: Ist es tatsächlich möglich, sich aller im Unterbewusstsein wirkender Schattenaspekte ganz ohne Hilfe anderer, beispielsweise eines Psychologen, bewusst zu werden?

Andrew: Gute Frage, aber gibt es irgendwen auf der Welt, der völlig ohne Hilfe von anderen ist? Wir haben unsere Familie, unsere Freunde, Kollegen, Bekannten. Ich meine, ein Mensch zu sein, bedeutet Unterstützung zu bekommen. Wenn Babys nicht berührt werden, sterben sie. Also brauchen wir auf jeden Fall Unterstützung. Ansonsten würde ich sagen, hängt es von den Fähigkeiten des Psychologen ab. Ich bin nicht gegen Psychologen. Viele von ihnen helfen sicher dabei gewisse Dinge zu verstehen, warum du bist, wie du bist, aber sie dringen oft nicht in die Tiefe der Erinnerungen deines Körpers ein. Unterstützung ist ein wirklich wichtiger Aspekt des Menschseins. Aber die ultimative Unterstützung kommt aus unserem wahren, höheren Selbst. Ein Teil des Bewusstwerdungsprozesses ist daher auch, die Unterstützung, die das Leben dir immer bietet, erkennen und fühlen zu lernen. Meistens DENKEN wir, dass uns das Leben passiert. Und solange wir so denken, bleiben wir Opfer. Aber was uns die Genschlüssel lehren, ist, dass das Leben FÜR uns passiert, egal ob in Form von Freude oder Schmerz. Es ist nicht gegen uns. Ich beziehe mich da mal auf die allererste Frage, denn das wäre nun noch eine Ergänzung für die Antwort. Über die Kontemplation kann es gelingen, hinter allem was passiert, einen tieferen Sinn zu sehen. Diese Sichtweise beinhaltet auch alle, die dich dabei unterstützen, egal, auf welche Weise.

SoHM: Kannst du uns ein Beispiel nennen, wie sich etwas konkret in deinem Leben veränderte, nachdem du über einen bestimmten Genschlüssel kontempliert hast?

Andrew: Oh, ich bin froh, dass du mir diese Frage stellst. Ich nenne als Beispiel mal einen Genschlüssel aus meinem persönlichen Profil, Nr. 4. Der Schatten davon ist „Intoleranz“. Die Gabe ist „Verstehen“ und die Siddhi dazu ist „Vergebung“. Also Intoleranz ist ein interessantes Wort. Was ich in meinem Leben gemerkt habe ist, dass ich nicht sehr tolerant bin. Wenn meine Freundin bestimmte Bemerkungen in einem bestimmten Tonfall äußerte, merkte ich zum Beispiel sofort so ein unangenehmes Gefühl von Ärger, verbunden mit dem Wunsch sie anzufahren, so in der Art von „Lass mich bloß in Ruhe damit!“ Doch das ist ein Gefühl der Intoleranz. Als ich dann über diesen Genschlüssel las, wurde mir das bewusster. Und anstatt in solchen Situationen einfach zu reagieren, bin ich inzwischen viel ehrlicher. Wenn ich merke, dass dieses Gefühl wieder auftaucht, bleibe ich für einen Moment bei dem Gefühl, bevor ich re-agiere und es transformiert sich dann wie von selbst. Seit ich mir über meine eigene Intoleranz bewusster geworden bin, habe ich viel mehr Verständnis für Menschen, die diesen Schatten auch in sich tragen und wütend und aggressiv reagieren. Das ist ein Beispiel, an dem ich wirklich merkte, wie sich über die Genschlüssel konkret in meinem Leben etwas verändert hat.

 

SoHM: Wir danken dir für dieses Gespräch!

 

Richard Rudd über Andrew: „Als ich Andrew erstmals traf, erkannte ich in ihm eine gleichgesinnte Seele, die die Quintessenz des Lebens erkundet hat. Weil wir solch einen ähnlichen Hintergrund hatten, teilweise sogar bei denselben taoistischen Meistern studierten, war unser Verständnis von der Wichtigkeit der Verkörperung der Liebe dasselbe. Andrew trägt diesen Geist stets mit sich, wohin auch immer er geht. Er verkörpert des Prinzip des selbstlosen Dienens auf wahrhaftige Weise. Darüber hinaus gehört er zu den sehr wenigen Menschen, die ich jemals traf, die über eine Gabe der physischen Berührung anderer verfügen, die ich als göttlich bezeichnen möchte. Wer auch immer du bist – höre diesem Mann zu und lerne von ihm! Er verfügt über etwas, das einem nur selten im Leben begegnet – ein hohes Maß an Weisheit und Sensibilität.“

 

Über das Wirken und Veranstaltungen von Andrew Fretwell geben folgende Websites Auskunft:

http://oft-touch.com

www.wuji-gong.org

 

 

 

Transformation durch Kontemplation?
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