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Als Prof. Dr. Higa sein Buch „Eine Revolution zur Rettung der Erde“ schrieb, schien er schon geahnt zu haben welch enormes Potenzial die Effektiven Mikroorganismen (EM) beinhalten, denn der Buchtitel spricht für sich. Die jahrzehntelange Anwendung von EM auf unterschiedlichste Weise seit Erscheinen des Buches bestätigt inzwischen das tatsächlich revolutionäre Potenzial dieser speziellen Mikrobenmischung.

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Ursprünglich als Alternative zu chemischen Mitteln in der Agrarwirtschaft gedacht, wird EM heute weltweit für nahezu alle die Umwelt tangierenden Bereiche, teils in der Industrie und für die Gesundheit eingesetzt. EM bewährt sich in der Tierhaltung, bei der Regeneration von Bäumen und anderen Pflanzen, bei der Qualitätsverbesserung von Böden (sogar bei radioaktiv verseuchten), bei der Aufwertung von Trinkwasser, als Werkstoffkomponente in Zahnmaterialien, Keramik und Baustoffen, als Bestandteil von Kosmetikprodukten, Putz- und Waschmitteln, bei der Renaturierung von Gewässern sowie bei der ökologischen und nachhaltigen Verwertung von organischem Abfall. Und die Anwendungsbereiche nehmen kontinuierlich zu.

Das im Interview mit Pit Mau bereits erwähnte Bokashi einerseits und Terra Preta andererseits sollen in diesem Beitrag etwas näher beleuchtet werden. Wer sich darüber hinaus speziell für EM in der Tierhaltung oder in anderen Einsatzbereichen interessiert, erhält beispielsweise über EM-zertifizierte Fachleute oder die EM-Vereine[1] weitere Informationen. Vereinsmitglieder erhalten zudem die monatlich erscheinende Verbandszeitschrift, das „EM Journal“, das regelmäßig über praxisnahe Beispiele berichtet. Gegen eine Schutzgebühr ist diese Zeitschrift auch für Nicht-Mitglieder erhältlich.

Organischer Abfall

Laut Angaben des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit wurden 2013 allein in Deutschlands Abfallstatistik 12,87 Millionen Tonnen biologisch abbaubare Abfälle gelistet,[2] die im Wesentlichen aus Biotonnen stammen. Diese landeten hauptsächlich in Kompostierungs- und Vergärungsanlagen. Komposterde aus diesen Produktionsprozessen wird als wertvolles Produkt vermarktet. Doch abgesehen davon, dass es bereits mehrfach Fälle gab, bei denen diese Komposterde mit Legionellen[3] kontaminiert war, dürfte auch die Ökobilanz zu hinterfragen sein, denn diese Produktionsverfahren brauchen auch eine Menge Energie und verursachen Emissionen, darunter Methan, Ammoniak und flüchtige organische Verbindungen.

Selbst kompostieren

Schon aus den genannten und vielen anderen Gründen spricht eine Menge dafür seinen Bio-Müll selbst aufzubereiten. Doch unangenehme Gerüche, Schimmel- oder Madenbildung können den ökologisch bewussten, brav Bio-Müll sortierenden Menschen schon auf eine Probe stellen. Wer diese negativen Begleiterscheinungen eliminieren will, braucht weder Biotonne noch Garten, sondern lediglich einen Bokashi-Eimer und EM. Solch einen Eimer kann man sich entweder selbst zusammenbasteln oder kaufen. Er muss dicht verschließbar sein und über einen Ablauf verfügen. Anleitungen dazu sowie Bezugsadressen sind im Internet unter den entsprechenden Suchbegriffen zu finden.

Was ist Bokashi und wie stellt man es her?

Der japanische Begriff Bokashi bedeutet lediglich fermentiertes organisches Material.

Um es herzustellen, müssen organische Abfälle im Vorfeld möglichst gut zerkleinert werden, weil dadurch ihre Oberfläche größer wird und die Mikroorganismen effektiver wirken können. Eine gute Vermischung der EM mit dem zerkleinerten Material ist wichtig, damit alle Materialpartikel gleichmäßig mit EM überzogen sind. Je nach Temperatur ist das Bokashi dann nach etwa 14 Tagen bis drei Wochen fertig und kann nun direkt UNTER die Erde gebracht werden (Garten, Parzelle etc.). Es wäre falsch EM einfach AUF die Erde zu streuen, weil es dann zu schnell verderben und beispielsweise Schnecken anziehen würde. Im Boden entsteht schließlich innerhalb kurzer Zeit (im Sommer innerhalb von vier Wochen) beste schwarze und von Regenwürmern aufgelockerte Erde.

Dieses aus Küchenabfällen gewonnene Bokashi ist ein höchsteffektiver Dünger mit einem perfekten Kohlenstoff-Stickstoff-Verhältnis und zudem verfügt es über Vitamine, Aminosäuren und andere pflanzenverfügbare Stoffe, die wiederum qualitativ hochwertige Pflanzen und Früchte zur Folge haben. Im Bokashieimer entsteht in der Regel auch eine Flüssigkeit, die sich als Flüssigdünger für Blumen und Gemüse ausgezeichnet eignet. Sie muss allerdings gut verdünnt werden (etwa eine halbe Tasse auf eine Gießkanne).

Das Gute an diesem Verfahren ist, dass JEDES organische Material als Basis für die Fermentation zu Bokashi geeignet ist, sei es im normalen Küchenbetrieb oder in der Landwirtschaft. Anzumerken ist, dass die Natur ja grundsätzlich keine „Abfälle“ kennt und immer auch Lösungen anbietet, sofern natürliche Gesetzmäßigkeiten dabei berücksichtigt werden.

Terra Preta – Herkunft und Herstellung

Archäologen entdeckten gegen Ende der 1980er Jahre im eigentlich unfruchtbaren Boden des Amazones-Regelwaldes große Bereiche einer anthropogenen nährstoffreichen Bodenform schwarzer Farbe. Die Färbung resultierte aus dem hohen Kohlenstoffgehalt. Der Name „Terra Preta“ leitet sich daraus ab, denn er ist die portugiesische Bedeutung für „schwarze Erde“. Terra Preta macht etwa 10 Prozent der Fläche Amazoniens aus, teilweise in meterdicken Schichten. Schon aus dem 17. Jahrhundert ist durch Expeditionen in den Amazonas überliefert, dass es dort riesige Siedlungen mit einer florierenden Landwirtschaft gegeben hat, was aber lange bezweifelt wurde, da der Boden des Regenwaldes sich eigentlich für die landwirtschaftliche Nutzung nicht eignet.

Doch wie ist es den Indios damals gelungen Terra Preta herzustellen? Pit Mau weiß eine Antwort darauf: „Auch sie haben ihre Abfälle gesammelt und in großen Tongefäßen aufbewahrt, die genau wie die speziell gefertigten Bokashi-Eimer von heute einen Auslauf am Boden hatten, um überschüssige Flüssigkeit abzulassen und bodenbürtige Mikroben in das Material einzuschleusen. Im Gegensatz zu unserer heutigen Umwelt war damals im Regenwald alles voll von ‚Effektiven Mikroorganismen‘; sie mussten nicht extra hinzugefügt werden. Die Beimischung der Holzkohle half pathogene Prozesse und Geruchsentwicklungen im Keim zu ersticken. Später sprengten starke Wurzeln – z.B. von eingepflanzten Obstbäumen – die Tongefäße, wodurch im Laufe der Zeit eine meterdicke, zusammenhängende Schicht der dauerhaft fruchtbaren ‚Terra Preta do Indio‘ entstand. Terra Preta – schwarze Erde – ist kein Produkt, sondern das Ergebnis eines langen Prozesses.“

Die so genannte Biokohle in Terra Preta hat eine große Stabilität und das sogar über Jahrhunderte, wenn nicht länger. Sie ist für sich genommen allerdings kein Dünger, sondern nur eine Trägersubstanz, da sie aufgrund ihrer Struktur verhältnismäßig viel Wasser und Nährstoffe speichern kann, die Pflanzenwurzeln potenziell zugänglich sind. Biokohle bietet zudem eine ökologische Nische für verschiedene Mikroorganismen, weil sie gleichermaßen feuchte, trockene, aerobe und anaerobe Bereiche zur Verfügung stellt. Biokohle ist von der Beschaffenheit her sehr porös und hat eine hohe spezifische Oberfläche. Daher kann sie bis zum Fünffachen ihres Eigengewichtes an Wasser und darin gelösten Substraten sowie Mikroorganismen aufnehmen. Ihre Adsorptionsfähigkeit ist also sehr hoch. Damit die Biokohle auf schnelle und effektive Weise ihre Wirksamkeit entfalten kann, muss sie vor dem Einbringen in den Boden mit Nährstoffen „geimpft“ bzw. angereichert werden, um sie zu aktivieren. Für diese Aktivierung eignet sich EM auf hervorragende Weise.

Darüber hinaus verfügt Biokohle über eine hohe Kationenaustauschkapazität. Das bedeutet, dass sie positiv geladene Ionen binden und bei Bedarf wieder für Pflanzen zur Verfügung stellen kann. Diese Eigenschaft verhindert auch das Auswaschen von – positiv geladenen – organischen Substraten.

Ein Dream-Team: Terra Preta und EM

Die Natur reguliert sich ohne das Eingreifen des Menschen ganz natürlich. In der Biologie spricht man in diesem Zusammenhang von „natürlicher Sukzession“, womit eine auf natürlichen Faktoren basierende zeitliche Abfolge von Organismen an einem Standort gemeint ist. Bei diesem natürlichen Kreislauf nehmen Mikroorganismen seit jeher eine entscheidende Rolle ein. Insbesondere seit der Industrialisierung sind vielerorts die natürlichen Abläufe aber empfindlich gestört, was sich an einer nachlassenden Bodenqualität, am Artensterben und an diversen anderen Symptomen zeigt.

Prof. Higa erkannte das Dilemma bereits in den 1970er und 1980er Jahren. Um die entscheidende Bedeutung von Mikroorganismen in der Natur wissend, forschte er im Laufe der Jahre unermüdlich und entwickelte eine Mischung unterschiedlichster Mikroorganismen mit aufbauender und regenerativer Wirkung. Dabei filterte er aus etwa 2.000 verschiedenen Mikroorganismen, die bereits als nützlich bekannt waren, ca. 80 heraus, die miteinander Synergieeffekte bilden und zusammen kultiviert werden konnten. Der gemeinsame Nenner all dieser Mikroorganismen ist, dass sie dominant regenerativ, antioxidativ sowie deionisierend sind und sich eine gemeinsame Schwingungsebene teilen, die mit anderen lebensunterstützenden Kräften in Resonanz geht und diese sogar verstärkt. Das heißt konkret, dass EM in der Natur andere Mikroorganismen anzieht, um im Verbund mit ihnen regenerative Prozesse zu unterstützen.

Das Entstehen und Wachsen zu dauerfruchtbarem Boden steht auf drei Säulen: Organisches Material als Nährstoff, am besten mit EM fermentiertes Bokashi, Holz- oder Pflanzenkohle und die Besiedelung durch Effektive Mikroorganismen. Sie garantieren von Anfang an die mikrobielle Vielfalt, Komplexität, Gesundheit und Fruchtbarkeit. „Das Schöne daran ist: EM ist reinste Natur und völlig unbedenklich für Mensch, Tier und Pflanze; gleichzeitig sind die Effektiven Mikroorganismen auf den unterschiedlichsten Ebenen und in unterschiedlichsten Situationen erstaunlich hilfreich und potent, sogar weit über ihren Beitrag zur Entstehung von Terra Preta hinaus“, ergänzt Pit Mau.

Mittels EM kann also gezielt auf die Qualität der Mikroorganismen in Biokohle Einfluss genommen werden. Den milchsäuresynthetisierenten Mikroorganismen von EM kommt hierbei eine besondere Bedeutung zu, da sie die Konservierung und den Aufbau organischer Substanz unterstützen. Das ist so ähnlich wie beim Darm. Von der Art der Mikroorganismen hängt auch hier das ganze Milieu ab. Die Wurzeln der Pflanzen ähneln in diesem Vergleich den Darmzotten.

An dieser Stelle sei nochmals auf das bereits am Ende des Interviews mit Pit Mau erwähnte Buch „Terra Preta“ hingewiesen. Es bietet viele Informationen und Beispiele für die eigene Herstellung und Anwendung von Terra Preta im kleineren und größeren Stil.

 

 

Bild:

Beispiele von Bokashi-Eimern: Luftdicht verschließbar mit Abflusshahn, um die überschüssige Flüssigkeit (guter Dünger!) abzuziehen

Foto: Pit Mau

 

 

[1]            https://www.emev.de/

[2]            http://www.bmub.bund.de/themen/wasser-abfall-boden/abfallwirtschaft/statistiken/bioabfaelle/

[3]            http://www.kompost.de/fileadmin/docs/HuK/HuK-8_9-2012.pdf

 

EM in der Anwendung – Lösungen für Mensch, Tier und Natur
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