Teil 2: Barrieremethoden

Autorin: Andrea de Groot

Im Ausgabe 2 des Spirit of Health Magazins, S. 34, haben wir Pille, Hormonimplantate und Depotspitzen unter die Lupe genommen – mit all ihren Vorteilen und nicht zu unterschätzenden Nachteilen. Doch mit zunehmender Negativpresse über die sogar teilweise fatalen Nebenwirkungen von Pille und Co ist es an der Zeit – wenn nicht sogar schon überfällig – hormonelle Verhütungsmethoden neu zu überdenken.

Heute geht es um sogenannte Barrieremethoden zur Empfängnisverhütung. Anders als bei hormonellen Methoden wird hierbei nicht in den natürlich Zyklus der Frau eingegriffen. Die Barriere soll das Eindringen der Samenzellen in die Gebärmutter und somit eine Befruchtung der Eizelle verhindern.

Kondome

Das wohl bekannteste Produkt unter den Barrieremethoden, das Kondom, kommt erst dann zum Einsatz, wenn es bereits heiß hergeht. Das Glied muss hart sein, um das Kondom darüber stülpen zu können. Das kann schon mal lästig sein und manche empfinden das Kondom als störend während des Liebesaktes. Dabei ist das Kondom sehr vielfältig: Es gibt verschiedene Größen, man(n) kann es mit oder ohne Noppen erhalten, in allen Farben des Regenbogens, durchsichtig oder sogar schwarz, mit Gleitgel oder ohne…

Der wohl größte Feind des Kondoms sind die Fingernägel und die Unwissenheit der Nutzer und so ist die Sicherheit extrem anwenderabhängig. Zu den beliebtesten Fehlern zählen wohl: die falsche Aufbewahrung (in direktem Sonnenlicht), das verkehrte Öffnen der einzelnen Verpackungen (Schere weg!), das verkehrte Gleitgel (Öl kann Latexkondome zerstören), das Aufziehen, bevor es an der Zeit ist (das Glied muss hart sein), Luft im Reservoir, das Abrollen von der verkehrten Seite und, zu guter Letzt, das Herausziehen des Gliedes, wenn es bereits wieder zusammengeschrumpft ist – denn dann bleibt das Kondom gerne auch in der Vagina zurück und die Samenflüssigkeit kann im Körper der Frau austreten und ggf. zu einer unerwünschten Schwangerschaft führen. Sicher gibt es noch eine Vielzahl mehr an “Unfallmöglichkeiten”. Die richtige Handhabung ist also unbedingt erforderlich. Der Pearl-Index in der Anwendung liegt aufgrund dessen zwischen 2 und 12.

Kosten: Je nach Menge und Hersteller kann ein einzelnes Kondom ca. 30 Cent bis hin zu 1 Euro kosten. Wie viel jedes Paar im Monat ausgibt, hängt sehr von deren Liebesleben ab. Kosten für die Gesundheit: Kondome sind für gewöhnlich, sofern man keine Latexallergie hat, unbedenklich. Für Allergiker gibt es latexfreie Alternativen. Vorsicht ist jedoch geboten bei Kondomen, die mit dem Spermizid Nonoxynol 9 beschichtet sind. Nonoxynol steht in Verdacht Krebs zu verursachen.

Kondom für die Frau

Weniger bekannt ist das Kondom für die Frau. Wie auch das Kondom für den Mann, ist es für die einmalige Anwendung gedacht. Die Frau führt es in die Vagina ein und es soll dort wie eine zweite Haut vor Geschlechtskrankheiten wie auch vor einer ungewollten Schwangerschaft schützen. Es ist weiter als die üblichen Kondome für den Mann, besteht aus einer dünnen Kunststoffschicht und hat zwei Ringe: einen größeren, der flach und sichtbar außerhalb der Vagina dafür sorgt, dass es nicht hineinrutscht und einen inneren kleineren Ring, der im Inneren das Frauenkondom an seinem Platz fixiert.

Der Vorteil dieses Kondoms ist, dass es auch schon eingeführt werden kann bevor das Glied steif ist. Es muss auch nicht direkt nach dem Samenerguss herausgezogen werden.

Die Sicherheit ist ebenfalls sehr anwenderabhängig und man kann keine genauen Aussagen diesbezüglich machen. Der Pear-Index liegt bei 5-25. Das Material Nitrilpolymer hat allerdings den Vorteil, dass es für alle Arten von Gleitgel geeignet und unempfindlicher bezüglich der Lagertemperatur ist. Somit reduzieren sich die möglichen Anwendungsfehler. Zudem ist es für Latexallergiker geeignet und birgt keinerlei bekannte Gesundheitsrisiken. Kosten: Es kostet pro Stück ca. 4 Euro.

Diaphragma (auch Pessar genannt)

 Das Diaphragma ist eine runde “Schale” aus Silikon oder Latex (je nach Hersteller), die den Muttermund abdeckt und somit das Eindringen von Sperma verhindern soll. Es gibt Modelle, die erst vom Gynäkologen angepasst werden müssen und solche in Einheitsgröße. Sie sollten immer in Kombination mit einem Spermizid genutzt werden, welches die Spermien abtötet. Es kann bereits einige Stunden vor dem Liebesspiel eingesetzt werden und sollte mindestens sechs Stunden nach dem Geschlechtsverkehr in der Scheide verbleiben. Es muss also nicht direkt nach einem Mal oder gleich nach dem Samenerguss wieder ausgetauscht werden.
Das Einsetzen erfordert allerdings etwas Übung. Das Diaphragma ist aber, wenn man erst einmal ein Gefühl dafür entwickelt hat, so einfach einzuführen wie ein Tampon. Bei regelmäßiger und guter Pflege kann es bis zu zwei Jahre halten. Der Pearl-Index liegt zwischen 1 und 20.
Die Anschaffungskosten hängen vom Produkt ab und davon, ob es vom Gynäkologen angepasst werden muss oder nicht. Generell liegt der Preis zwischen 40 – 50 Euro zzgl. ggf. Anpassungskosten. Hinzu kommt außerdem noch das entsprechende Gel, welches die Spermien deaktivieren soll. Kosten für die Gesundheit: Das Diaphragma an sich hat keine bekannten Nebenwirkungen, jedoch kann es bei der Anwendung des Spermizids zu allergischen Reaktionen kommen. Hier gibt es verschiedene Gele und jede Frau muss zuerst schauen welches Spermizid zu ihr passt. Der Wirkstoff Nonoxynol 9 ist auch in manchen Gels enthalten, welches in Verdacht steht Krebs zu verursachen und es sollte demnach unbedingt gemieden werden.

Barrieremethoden sind, im Unterschied zu hormonellen Methoden, weitaus schonender für den Körper und weniger bis gar nicht schädlich für unsere Gesundheit. Doch wenn man einmal die Kosten für die Umwelt mit einbezieht, so sieht man, dass auch Barrieremethoden eine Belastung bedeuten. Würden alle Menschen bei jedem Liebesakt Barrieremethoden nutzen, ginge es uns und der Umwelt aufgrund weniger hoher Hormonbelastung bereits wesentlich besser, doch gäbe es noch höhere Müllberge. Das kann also auch noch nicht die endgültige Lösung sein.

Vielleicht geht’s auch ganz anders?

Was, wenn es etwas gäbe, bei dem man weder Hormone noch Unmengen Einmalprodukte verwenden müsste, um sicher zu verhüten? Die Anzahl der Abtreibungen in der sogenannten “zivilisierten Welt” lässt vermuten, dass wir, trotz des vielfältigen Angebots an Verhütungsmethoden, noch immer eines nicht verstanden haben: unseren Körper.

Man könnte meinen, und das würde der Pharmaindustrie ganz gut passen, dass unsere Fertilität ein andauernder Krankheitszustand ist, der unbedingt behandlungsbedürftig sei. Doch braucht es weder Pillen noch Pessar, um ein erfülltes Liebesleben zu haben, ohne dabei jedes Mal eine Schwangerschaft in Kauf nehmen zu müssen. Denn der weibliche Körper ist nicht krank oder gar unkontrollierbar, sondern ein Meisterwerk der Natur, welches, wenn man seine Zeichen zu deuten weiß, verstanden werden will.

Im dritten und letzten Teil unserer Serie zu den bekanntesten Verhütungsmethoden werde ich deshalb natürliche Verhütungsmethoden aufzeigen, die für jedermann (und jederfrau) anwendbar sind – ganz ohne Nebenwirkungen und 100 Prozent schonend für die Umwelt.

 

Quellennachweis: Pearl-Index und Kosten http://www.profamilia.de/

 

 

Verhütung – Ist “natürlich” auch sicher?
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