Autor: Aharon Schlemmer

Kontemplative Assoziationen über die 41. Siddhi aus dem Buch „Die 64 Genschlüssel“ von Richard Rudd

Als ich dieses Mal zu einem weiteren Beitrag über „Die 64 Genschlüssel“ für das „Spirit of Health Magazin“ eingeladen wurde, wusste ich zunächst nichts zu schreiben, denn was sollte ich noch über die beiden anderen Artikel hinaus sagen? Das Werk spricht ja im Grunde für sich selbst und muss sicherlich nicht von mir neu erklärt werden. Grundlegend ist ja alles Wissen längst bekannt und es hapert eher an der tatsächlichen Umsetzung im alltäglichen Leben. Ständig suchen wir etwas zu erklären und zu verdeutlichen und manchmal beschleicht mich dabei das Gefühl, dass auch dies eine Ablenkung oder Vermeidungsstrategie sein kann, anstatt endlich anzufangen und sich zu trauen die eigenen Träume, Bedürfnisse und Sehnsüchte ins Leben zu bringen.

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Nelson Mandela sagte einmal: „Unsere tiefste Angst ist nicht, dass wir unzulänglich sind, unsere tiefste Angst ist, dass wir unermesslich machtvoll sind. Es ist unser Licht, das wir fürchten, nicht unsere Dunkelheit. Wir fragen uns: „Wer bin ich eigentlich, dass ich leuchtend, begnadet, phantastisch sein darf?“

Aber genau dahin zielt ja die Transmission bzw. Transmutation der „64 Genschlüssel“. Sie lädt uns zur eigenen Gottwerdung ein, einen Weg der Selbsterleuchtung zu beschreiten. Niemand anderes kann es für uns tun. Nelson Mandela fährt fort:

„Du bist ein Kind Gottes. Wenn du dich klein machst, dient das der Welt nicht. Es hat nichts mit Erleuchtung zu tun, wenn du schrumpfst, damit andere um dich herum sich nicht verunsichert fühlen. Wir wurden geboren, um die Herrlichkeit Gottes zu verwirklichen, die in uns ist. Sie ist nicht nur in einigen von uns, sie ist in jedem Menschen. Und wenn wir unser eigenes Licht erstrahlen lassen, geben wir unbewusst anderen Menschen die Erlaubnis dasselbe zu tun. Wenn wir uns von unserer eigenen Angst befreit haben, wird unsere Gegenwart ohne unser Zutun andere befreien.“

Wunderbar, oder? Und ja, ich fühle mich ermutigt an dieser Stelle einmal einen, vielleicht etwas unorthodoxen, Einblick in meine Kontemplationspraxis zu geben, die als zentrale Technik von Richard Rudd empfohlen wird (siehe 2. Artikel).

Denn als ich 2015 das Buch von Richard Rudd „Die 64 Genschlüssel“ ins Deutsche übersetzte, führte ich parallel dazu eine Art „kontemplatives Tagebuch“ in Form von fiktiven Briefen, in denen ich assoziativ über die Wirkung der Kontemplation bestimmter Abschnitte reflektierte. Interessanterweise tat ich dies in englischer Sprache und ich bin gerade dabei, sie mir selbst in deutscher Sprache zu übersetzen. Natürlich sind diese Briefe vollkommen subjektive Empfindungen und Einsichten, die situativ – genau in den jeweiligen Momenten des Schreibens – so von mir erlebt und formuliert wurden. Dennoch erlaube ich mir hier ein Beispiel als Anregung und Einladung unten anzufügen, sich auf die innere Reise zur Selbsterleuchtung zu begeben. Viel Freude dabei.

„Liebende Mitreisende des Lebens,

ich habe gerade einen höchst wundervollen Abschnitt des Buches von Richard Rudd übersetzt, den primären Siddhi-Zustand betreffend:

„Aus der Sichtweise der 41. Siddhi reduziert sich alles auf bloße Körperlichkeit, was auch der Grund dafür ist, dass er auf die Menschen so erschreckend wirkt. Er spottet all deinen Anstrengungen und Bemühungen und macht Meditation, Moral und alle Systeme, um das Leben zu verstehen, zur Farce. Es existiert schlicht kein „Wie“ in dieser Siddhi. Dies ist ein furchtbarer und bedrohlicher Satz für uns, da er bedeutet, dass wir absolut nichts tun können, um diesen Zustand auszulösen, was im Umkehrschluss heißt, dass wir vollkommen hilflos sind.“”

Ist das nicht wunderbar? Anstatt mich zu erschrecken oder zu terrorisieren, zaubert dieser Abschnitt ein breites Lächeln auf mein Gesicht und ein tiefes, unbedarftes Lachen steigt aus meinem Bauch auf, begleitet von einer vollkommenen Entspannung. Das ist es doch! Was für einen köstlichen, spielerischen Witz wir doch mit uns selbst ausfechten! Das Bewusstsein selbst wohnt in der unbekannten Leere und wenn es sich selbst als Emanation ins Leben bringt, spiegelt es sich als spielerische Liebe wider, zu seinem eigenen Vergnügen.

Wir, als reines Bewusstsein, schaffen unser eigenes Drama des Ringens, der Schuld und Moral, der Tugend und der Erleuchtung und so weiter…

Wir alle tragen diese fabelhaften, dramatischen Ideen und Konzepte des kosmischen Versteckspiels von Suchen und Finden in uns, die letztendlich in der liebenden Wiedervereinigung münden. In dieser Hilflosigkeit spüre ich gleichzeitig die Unschuld, wie sie freudig im Sandkasten der Schöpfung sitzt und, sobald ich des Spielens müde geworden bin, kehre ich in mein Schlafzimmer zurück und ruhe mich in der namenlosen Nichtigkeit des Seins aus.

Eigentlich ist die Hilflosigkeit mehr oder weniger nur ein Ausdruck der angenommenen Identität des „Ich´s“, welche sich an irgendetwas festhalten will, aber das Einzige, was wirklich existiert, ist die ungeschöpfte Leere und in dieser Raum- und Zeitlosigkeit gibt es kein benennbares Etwas, kein „Ich“, kein „Du“, keinen „Gott“, rein gar nichts. Oh, wie ich das liebe! Es vermittelt mir eine unglaubliche Leichtigkeit und befreit mich von allen gedanklichen Sorgen. Es macht überhaupt keinen Unterschied, ob ich diszipliniert bin oder in wilde Ausschweifungen verfalle.

Ich habe mich immer wieder darüber gewundert, warum ich sowohl all das Hässliche als auch das höchst Tugendhafte in meinem Wesen spüre und war immer danach bestrebt diese paradoxe Dualität in mir aufzulösen. Ich glaube, ich habe schon das symbolische Bild des Versöhnungsfestes (Yom Kippur) erwähnt, bei dem alle Aspekte des Lebens im Allerheiligsten miteinander verbunden werden, dem Ort, wo der Hohepriester alles Existierende zusammen bindet und in dem einen Punkt, der im Dazwischen von Schöpfung und Nicht-Schöpfung liegt, darbringt – welch ein atemberaubendes Mysterium von höchst beglückender Süße! Sowohl das Eingesogenwerden in die Leere, um darin ausgelöscht zu werden, als auch gleichzeitig in Myriaden von Universen hinausgeschleudert zu werden, welches mich ekstatische, fruchtvoll-saftige Süße schmecken lässt. Welch wundervolle Erfahrung lebendig zu sein, während ich gleichzeitig weiß, dass ich eigentlich in der Stille der Bewusstseinsleere ruhe. Dies also ist mein Pfingsterlebnis und ist es nicht ein freudig-köstlicher Start in den Tag? Seid alle gesegnet, denn ihr seid ja die Gnade selbst!

Euer, euch liebender verrückter Aharon

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Zeit des Großen Wandels
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