Autorin: Beate Wiemers

Gerade in der ehemaligen DDR gedeihen Kanäle, die mit Hintergrundinfos punkten, auf besondere Weise. In unserer Reihe „Internet-TV jenseits Mainstream“ stellen wir in dieser Ausgabe das Kulturstudio vor. Es ist aus der Szene jener, die im Internet über historische und aktuelle Hintergründe der Bereiche Energie, Politik, Gesellschaft, Gesundheit, Geldsystem, Recht und Wissenschaft informieren, nicht mehr wegzudenken.

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Michael Grawe gründete das Portal im Jahre 2010. Nach kurzer Zeit stieß Ralf-Uwe Hill dazu und moderierte mit ihm zusammen die ersten 19 Sendungen, bis Hill das Kulturstudio aus privaten Gründen verließ. Inzwischen ist Boris Lauxtermann als fester Partner dabei. Michael Grawe kommt beruflich eigentlich aus dem Musikbusiness. Das Spirit of Health Magazin befragt den vielseitigen Pommer zu seinen Motiven das Kulturstudio aus der Taufe zu heben und zu dem, was er im Laufe der Jahre erlebte. 

SoHM: Michael, bis zu deinem 14ten  Lebensjahr lebtest du noch unter dem DDR-Regime, das für damalige „Wessis“ als Diktatur wahrgenommen wurde. Vor der Wende versuchten Menschen aus der DDR mit teils lebensgefährlichen Aktionen in den „freien“ Westen zu kommen. Wie hast du persönlich die Maueröffnung in Erinnerung und mit welchen Vorstellungen warst du damals behaftet?

Michael Grawe: Ich habe die DDR nicht als Diktatur wahrgenommen. Das lag zum einen daran, dass ich noch sehr jung war und zum anderen, weil ich eine eher glückliche unbesorgte Kindheit in der DDR genießen konnte. Gerade für Kinder wurde viel in der DDR getan. Man bot ihnen viele Möglichkeiten sich auszuprobieren, wenn auch oft mit einem „freiwilligen Zwang“. So gab es an Schulen sogenannte Arbeitsgemeinschaften (AGs), in denen man sich betätigen konnte. Ich lernte in der AG Foto z.B. das Fotografieren und das Entwickeln von Filmen. Diese AGs gab es in vielen Facetten: Sport, Kunst, Chor, Schülerzeitung oder auch Naturwissenschaften und Sprachen. Kultur war erschwinglich und für jeden zugänglich. Natürlich gab es hier auch regionale Unterschiede, aber im Großen und Ganzen war irgendwie immer was los. In der DDR konnte ich z.B. eine Klavierausbildung genießen, die einerseits sehr kostengünstig und andererseits qualitativ sehr gut war. Die Zeit des Mauerfalls war eine sehr spannende und eigentlich, im Nachhinein betrachtet, vielleicht die freieste Zeit meines Lebens. Durch die Auflösung der Autoritäten in der DDR, also im Grunde der SED, da ja eigentlich irgendwie alles mit der Partei zu tun hatte, entstand so etwas wie eine freie Zone und man konnte tun und lassen was man wollte, frei von allen bisherigen Zwängen. Meine erste Reise in den „Westen“ machte ich bereits im November 1989. Irgendwie war es sehr aufregend, aber auch anstrengend, weil man schon merkte, dass das hier eine komplett andere Welt war. Man war regelrecht erschlagen von den vielen bunten Lichtern und dem übermäßigen Warenangebot. Es war eine euphorische Stimmung unter den Menschen, dass es jetzt endlich ehrlicher und freier zugehen würde, jeder jetzt die Möglichkeit hatte nach seiner Fasson glücklich zu werden, ohne Systemzwänge und politische Indoktrination. Viele erlagen dem Konsumrausch; kein Wunder nachdem man in der DDR vieles entbehren musste. Sie wurden aber relativ schnell wieder von der Realität eingeholt, als sie ihren Job verloren und niemand wirklich wusste wie es hier weitergehen sollte.

SoHM: Gab es eine Art Schlüsselerlebnis, das dir bewusst machte, dass der Westen gar nicht so frei war bzw. ist wie viele zuvor in der DDR glaubten und wenn ja, was war das? Oder war es eher ein schrittweiser Prozess des Erkennens?

Michael Grawe: Das war eher ein schrittweiser Prozess. Als erstes lernten die ehemaligen DDR-Bürger, dass sich eigentlich nicht viel an der Freiheit geändert hatte, denn wie in der DDR, hing auch naturgemäß die Freiheit von der D-Mark ab. In der DDR konnte man für D-Mark auch etwas freier leben. Aber die Frage ist, was die Menschen unter Freiheit verstehen. Für viele war es die Reisefreiheit, der Konsum, die harte Währung, welches vielleicht eine Illusion von Freiheit gibt. Man war verblendet durch das Überangebot an Konsumartikeln, weil es jetzt alles das gab, was man früher nur im Intershop oder Westfernsehen sah und sich nicht leisten konnte. Das fühlte sich frei an. Im Allgemeinen waren natürlich Ungerechtigkeiten sichtbar, aber man war sich des Ausmaßes dieses Betruges nicht bewusst. Die Aufmerksamkeit konzentrierte sich in den ersten zehn Jahren darauf, sich in diesem System zurechtzufinden, denn man wollte ja auch am Wohlstand teilhaben. Ich würde sagen, dass es erst wirklich spürbar schlimmer wurde durch das zunehmende Abgeben von Kompetenzen an die EU und deren Regulierungswut. Im Großen und Ganzen musste man sich auch in der BRD an Regeln/Gesetze halten, die natürlich auch nicht immer gerecht oder verständlich waren.

Den Anstoß, das tiefer zu hinterfragen, gab mir der Film „Zeitgeist“ und insbesondere die Thematik um 9/11 und das bestehende Betrugs-Geldsystem. Von da ab forschte ich zu vielen Themen und so kam das eine zum anderen.

SoHM: Wer oder was gab dir schließlich den Anstoß das Kulturstudio zu gründen?

Michael Grawe: Der Impuls das Kulturstudio zu gründen, kam von mir selbst. Seit 2006 war ich im Netz unterwegs auf der Suche nach alternativen Informationen. Einige Seiten gab es ja schon, die in erster Linie zum 11. September schrieben, aber auch andere Sichtweisen zu vielen essentiellen Themen anboten. So wurde ich auf einen Livestream aufmerksam, der in freier Runde mit einigen Leuten sehr offen und direkt Themen wie Gesellschaft, Geldsystem, 11.September, BRD status quo, diskutierten. Ich klinkte mich bei diesem Livestream ein und war auf einmal dabei, obwohl ich noch nicht allzu viel beitragen konnte, aber ich konnte lernen. Nach einiger Zeit hatten wir die Idee eine Internet-Fernsehseite zu gründen. Es sollten viele unabhängige Livestreams zu festgelegten Sendezeiten dort senden. Die Themenauswahl sollte vielfältig sein. So kam mir die Idee den Bereich Kultur zu übernehmen. Ich dachte mir, dass es möglich wäre Musiksendungen mit Bands live aus meinem Tonstudio zu übertragen oder mit Autoren über deren Bücher zu reden, vielleicht auch gute Künstler aller Art vorzustellen, aber es kam alles ganz anders. Wir fingen an ähnliche Gesprächsrunden zu gestalten, da der Initiator des bisherigen Livestreams nicht mehr weitermachte und großer Redebedarf bestand. Und so kam irgendwann Ralf Uwe Hill dazu und wir entwickelten das Format „Klartext“.

SoHM: Das Kulturstudio zeichnet sich heute durch eine große Bandbreite an Informationen aus. Woher beziehst du sie wesentlich und womit finanzierst du das Portal?Michael Grawe: Meine Informationen beziehe ich in erster Linie aus Internetrecherche über unsere Gäste und deren Themen, aber auch durch Bücher und persönliche Vorgespräche mit unseren Gästen. Das Portal wird durch Eigeninitiative finanziert. Der Kostenaufwand hält sich ja eigentlich auch in Grenzen. Es ist halt nur die Zeit, die man investiert. Natürlich kamen nach und nach Investitionen dazu, wie z.B. eine Kamera, Mikrofon, Schnittprogramm und was man so benötigt, um die Qualität zu verbessern. Es gibt einige Unterstützer des Kulturstudios, die uns regelmäßig und unregelmäßig mit einem kleinen oder auch schon mal mit einem etwas größeren Betrag unterstützen. Dafür sind wir sehr dankbar und es hilft uns unsere Arbeit noch weiter zu optimieren. Geld zu verdienen ist und war nicht unser Anspruch. Wir wollten alternative Informationen zur Verfügung stellen, damit sich endlich etwas ändert. Natürlich wäre es schön, wenn sich so ein Projekt soweit tragen würde, dass man damit seinen Lebensunterhalt bestreiten könnte, aber davon sind wir noch weit entfernt. Wenn jeder, der alternative Medien konsumiert, für jede gesehen Sendung oder jeden gelesenen Artikel den Autoren 10 oder 20 Cent bezahlen würde, könnte die alternative Medienlandschaft schon viel besser aussehen. Es müssen also nicht immer 5 oder 10 Euro im Monat sein.

 

SoHM: Es ist gegenwärtig viel von „der Matrix“ die Rede, die uns unfrei hält und wie Affen auf diesem Planeten versklavt. Was verstehst du persönlich unter der Matrix und wie kann sich jeder Mensch individuell daraus befreien?

Michael Grawe: Die Matrix ist für mich ein geistiges Gefängnis, in dem die Menschen durch Medien und Propaganda gehalten werden. Sie werden praktisch hypnotisiert, indem sie ständig medial befeuert werden mit zum größten Teil schwachsinnigen Inhalten oder negativen Nachrichten wie Krieg und Terrorismus etc. Die Menschen müssen sich bewusst werden wie Medien arbeiten, welche manipulativen Tricks diese verwenden, um Meinungen zu erzeugen. Es ist wie ein Zaubertrick, den du beim ersten mal nicht durchschaust und beeindruckt bist, aber wenn du ihn durchschaut hast, dann kann er dich nicht mehr beeindrucken. Du fängst dann an Muster zu erkennen und siehst die Manipulation überall. Die Menschen sollten mehr Mut haben sie selbst zu sein, sich selbst zu leben, anstatt fremde Konzepte nachzuäffen, die z.B. durch Medien in das Bewusstsein der Menschen gebracht werden. Vertraue deinem Herzen! Sei der, der du wirklich bist! Ich glaube, dass der Mensch das einzige Lebewesen auf diesem Planeten ist, das so dermaßen gegen seine eigene Natur arbeitet, dass es davon unglücklich und krank wird. Zum Glück erkennen das immer mehr Menschen und verlieren die Angst dem System gegenüber. Es bringt nichts gegen die „Matrix“ zu kämpfen; erschaffen wir uns einfach eine bessere neue! Es nützt auch nichts andere zu agitieren, da jeder seinen eigenen Mikrokosmos hat oder sich eventuell angegriffen fühlt. Die Veränderung geht immer von dir selbst aus, also müssen wir das, wofür wir stehen, vorleben, damit andere sehen können, dass es auch andere Möglichkeiten gibt zu leben. Und das ist nun mal die größte Herausforderung, sich selbst von den schlechten Gewohnheiten zu befreien und bewusster zu leben.

SoHM: Auf der Eröffnungsseite des Kulturstudios steht „Wenn die Macht der Liebe die Liebe zur Macht übersteigt, erst dann wird die Welt endlich wissen, was Frieden heißt.“ Nun lässt sich Liebe nicht „verabreichen“; die Fähigkeit zu lieben dürfte ein Prozess sein, der Selbstliebe voraussetzt und die Erkenntnis, dass alle Menschen und Tiere ein Recht auf freie Entfaltung haben. Wie schwierig es sein kann, Liebe im näheren familiären und beruflichen Umfeld zu leben, wenn einem manche Mitmenschen das Leben schwer zu machen versuchen, haben wir alle sicherlich schon mehr als einmal erfahren. Wie lautet deine individuelle Liebesbotschaft an unsere Leserinnen und Leser?

Michael Grawe: Ich würde die Selbstliebe nicht so in den Vordergrund stellen, da sie ein gewisses narzisstisches Potential birgt. Ich denke, die Liebe zum Sein, zur Natur, zu Gott, zum Universum, wie man es auch immer bezeichnen mag, ist das Wichtigste. Vergeben können, was wirklich oft nicht einfach ist, bei dem einen oder anderen Zeitgenossen. All das ist auch ein Prozess von Erkenntnissen und Lebenserfahrung und wahrscheinlich der Sinn unseres Daseins hier auf diesem Planeten. Der Mensch hat einen freien Willen und kann sich entscheiden auf welcher Seite er stehen möchte, mit allen Konsequenzen, die das nach sich zieht.

SoHM: Wie sähe denn eine Welt für dich aus, in der schon genau diese universelle Liebe zum Sein existierte?

 Michael Grawe: Die Frage ist schwer zu beantworten. Vielleicht ist so eine Welt hier nicht erfahrbar, sondern erst, wenn wir unser Leben hier beendet haben. Hinweise dafür gibt es ja zur Genüge. Wie einige Menschen z.B. mit Nahtod-Erlebnissen beschreiben, könnte diese Welt von Zufriedenheit und einem unendlichen Glücksgefühl gezeichnet sein. So wie man es auch kennt, wenn man sich verliebt hat, diese Liebe erwidert wird und man dabei Raum und Zeit vergisst. Ich lasse mich auf jeden Fall überraschen.

SoHM: Wir danken dir für das Gespräch!

 

http://www.kulturstudio.tv
https://www.youtube.com/c/KulturstudioTV

Im Osten viel Neues…

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