Autor: Bernardo Juni

108 mal nacheinander über 700 Grad heiße Glut laufen – wer macht denn so was? oder: Wie ich zum Feuerlauftrainer wurde. Im Rahmen eines Ausbildungsprogramms, war Feuerlauf-Trainer der erste Part. Also suchte ich bei google nach Semina­ren, Feuerlauf-Events und verglich Zeiten, Preise und das Niveau der Ausbildungen. Nach einiger Recherche kam ich auf Wal­ter Honegger, von „walk on fire“. Ich mel­dete mich an und freute mich auf den ers­ten Feuerlauf meines Lebens im Juni. Doch es sollte dann noch Monate dauern, bis ich endlich die ersehnte Erfahrung dieser Aus­bildung machen durfte. Es kamen die ers­ten Termine nicht zustande, weil entweder zu wenig Teilnehmer angemeldet waren oder ich gerade zu Ersatzterminen, die er mir anbot, selbst ausgebucht war mit mei­nen Workshops und sonstigen Tätigkeiten.

 

Feuerlauf-Trainer

Dann, Ende September, war es endlich soweit. Ich hatte eine mail im Postfach, die mir bestätigte, dass wir es machen würden und wir drei Anwärter für den „Feuerlauf­trainer“ waren. Ich bin schon ein erfahr­ener Mensch und auch wenn ich mich nicht als Schamane öffentlich „oute“, so bin ich wahrscheinlich doch einer. Ich ging schon in den Tod und kam zurück, weil ich noch etwas zu tun habe in dieser Zeit meines Lebens. Als der Termin dann allerdings feststand und ich mir Gedanken und Bilder dazu im Geist ent­stehen ließ, hatte ich durchaus respektvolle Gefühle dem Feuer gegenüber, von dem ich ja nun, wie die meisten Menschen und auf­grund persönlicher Erfahrungen, weiß, dass es Verbrennungen am Körper hervorrufen kann. Doch die schlimmsten Bilder, welche in mir auftauchten, ersetzte ich einfach durch jene, welche ich bei unzähligen Youtube Videos gesehen hatte: Menschen aus allen Schichten, jeden Alters und verschiedenster Glaubensrichtungen waren durch Feuer ge­gangen und hatten sich eben nicht verbrannt. Also was konnte mir dann passieren?

Ich fuhr einen Tag vor Beginn der Ausbildung an den Bodensee und bereitete mich mental auf das Ereignis vor.

Am kommenden Tag lernte ich Walter und seine Partnerin Dragana kennen. Auch die anderen beiden Anwärter stellten sich mir vor. Andreas, ein Persönlichkeitstrainer der Extraklasse, und Frank, der Mentaltrainer und Bogenschütze. Wir waren wirklich eine illustre Gesellschaft.

Da Feuerlaufen im Dunkeln sehr viel effe­ktiver ist, begann das Training, mein erster Feuerlauf, erst am Abend. Wir schichteten also das Holz für das Feuer auf, streng nach Anweisung, denn es ist eine kleine Wissenschaft für sich, es gescheit zu tun. Um dem Feuerholzhaufen eine gute Stabil­ität zu geben, wendeten wir uns dem „Bo­genschießen nach Do Kan Yo“ zu, einer asiatischen Meditationstechnik, welche von Frank erläutert und vorgestellt wurde. Es war wirklich gleich sehr entspannend mit einem gespannten Bogen Pfeile abzuschießen und die quadratische Zielscheibe war auch aus­reichend dimensioniert, so dass man gute Chancen hatte, sie zu treffen.

Magisches Feuer

Nachdem wir in einer Pizzeria, im näch­sten Dorf, gespeist hatten, waren wir nun endlich bereit, um das vorher aufgeschich­tete Feuerholz zu entzünden. Natürlich un­terstützte ich, als zertifizierter Pujari, den Anzündprozess mit dem Mantra für das Feuer :RAM RAM RAM……. und es loderte in Windeseile hoch. Das Feuer brannte also nun und wir hatten erst einmal nicht viel zu tun für die kommenden ca. zwei Stunden. Also hatten wir intensive Gespräche, übten uns im Bogenschießen bei Nacht und bevor wir dann zum eigentlichen Vorhaben des Feuerlaufens kamen, hatte Walter, unser Trainer und Lehrer, noch die grandiose Idee, dass wir mal ein paar Holzpfeile mit dem Halsmuskel zerbersten sollten. „Das ist jener Muskel, der angespannt wird, wenn du auf der Toilette feste drückst“, unterrichtete uns Walter und kontrollierte bei jedem Teilneh­mer, ob er den richtigen Muskel wirklich ans­pannte. Den richtigen Muskel anzuspannen ist sehr empfehlenswert, da die Metallspitze des Pfeils am Hals anliegt und sich durchaus durch das Genick bohren kann.

Andreas besaß als erster den Mut und zerbrach den Pfeil, indem er mit seinem Körpergewicht auf den Baum zuging, der das Ende des Pfeils stütze. Dann kam ich. „Mehr als sterben kann ich ja nicht“ schoss es mir durch den Kopf, als ich die Spitze an meinen Hals ansetzte. Es war erstaunlich einfach, nachdem ich mich fest entschlossen hatte und vorwärts ging. Der Pfeil zerbrach in zwei Teile, ohne dass ein Tropfen Blut floss und das bleibende Gefühl war schon großartig, auch wenn es eine Weile ziemlich drückte am Halsmuskel, da ja schon eine ge­wisse Kompression nötig gewesen war. Ich empfehle diese Übung nur unter kompetenter Aufsicht durchzuführen! Vielleicht in einem meiner Seminare, die nun folgen werden.

Die Trommel erklingt und es geht los

Inzwischen war dann auch das Feuer heruntergebrannt und wir konnten den Glut­teppich auslegen. Es waren wohl so um die vier Meter, die wir unter dem Klang der Schamanen- Trommel von Walter mehrfach durchliefen. Ich erinnere mich nicht mehr, ob es vier- oder fünfmal war, aber das spielt auch keine Rolle, denn die Erfahrung war sowieso sehr intensiv. Es ist heißt: „Es ist echt, es ist grandios, es ist nachhaltig, es ist erhebend, es ist erweckend, es ist lebendig – und du erlebst dich klar und deutlich im Jetzt und Hier.“ Ich hatte gedacht, dass wir uns in Trance begeben, einige mentale Tricks an­wenden, einen speziellen Satz sagen oder ein bestimmtes Bild visualisieren würden, doch unser Lehrer sagte einfach: „Feuer frei –du kannst jederzeit losgehen!“

Also war ich völlig klar, frei von jeglichemTrance-Zustand, bei vollem Bewusstsein mehr-mals über 700 Grad heiße Glut gelaufen. Diesen Wert hatten wir mit dem digitalen Ther­mometer gemessen, damit wir angehenden Feuerlauftrainer auch das Milieu kennen, in dem wir uns zukünftig bewegen.

Schwarze Füße

Natürlich blieben die Fußsohlen nicht un­berührt von dieser Erfahrung in der Nacht.

Alle drei spürten wir dieses kribbelnde, heiße Gefühl und während wir noch bis morgens um drei da saßen, Wein tranken und Gespräche führten, zeigten sich unsere Körper von an Fußsohlen her etwas irritiert. Selbst das Schrubben mit einer Bürste half nicht dabei, das Schwarz zu entfernen.

Scherbenlaufen und Karate

Am kommenden Morgen waren aber alle Anzeichen von Irritation vollkommen aufgelöst und ich fühlte mich stark und ge­sund. Nach dem Frühstück offerierte uns der Trainer, dass „wir heut‘ noch über anderes Material laufen würden – über einen Glass­cherben-Weg“.

Doch zuvor begaben wir uns auf eine schamanische Reise, um unser Krafttier zu treffen. Nun kam also das, was ich am Tag zuvor erwartet hatte: Die Trance-Reise mit Schamanen-Trommel-Begleitung. Es ist ja nie zu spät! Über einen Weg mit echten Glasscherben zu laufen, hatte ich mir sehr riskant vorgestellt, doch nachdem ich die ersten zwei Meter darüber gegangen war, machte ich im nächsten Durchlauf schon „Spirenzien“ auf den Scherben. Am diesem Samstag kamen wir dann auch zur Karate-Experience.

Zunächst ein knapp 20mm dickes Kief­erbrett: „Stell dir vor, die Hand ist schon unter dem Brett und dann schlag zu!“, war die Anweisung von Walter, unserem Trainer. Das tat ich dann und zerschlug mit einem Fausthieb das Brett in zwei Teile. Doch das Level wurde noch gesteigert. Wir schrieben einige Dinge, von denen wir uns nun end­gültig trennen wollten, auf gebrannte Tonzie­gel, welche üblicherweise fürs Dachdecken genutzt werden und schlugen diese nachein­ander mit Wucht in mehrere Teile. Meine „Lo­slassen-Ziegel“ zerbrach in nur zwei Stücke, was wohl durch eine gute Konzentration des Geistes hervorgerufen wurde. Jeder von uns wiederholte diese Erfahrung im Laufe dieses Samstagnachmittags noch einmal.

108 x über heiße Glut

Ein echter Feuerlauf-Trainer kann man nur werden, wenn man beweist, dass man die Courage hat, mehr als ein- oder zwei­mal über die Glut zu gehen. Wir taten es an diesem zweiten Abend der Ausbildung 108 mal. Nach jeweils 30 Durchgängen wurde der Feuerteppich neu bestückt mit der frischen Glut, die rund 700 Grad Cel­sius aufwies, nachdem sie mit Schaufel und Rechen auf dem Weg verteilt wurde. Diese Bahn war ca. fünf Meter lang und nach einer Weile sind wir nur noch im Kreis gel­aufen. Durch die Glut, herum um das Feuer und wieder durch die Glut. Währenddes­sen erschallte kontinuierlich die Schama­nentrommel.

Während der ersten 30 Runden stimmte ich einen Indianer-Gesang an, den ich im­mer lauter werden ließ und der sich dann wohl irgendwann sehr kriegerisch anhörte. So wurde ich von unserem Lehrer gebeten, meine verbale Energie etwas zu drosseln. Also begann ich zu singen: „I do it for Love and for the Healing“ und versuchte diese Af­firmation weniger lauthals herauszugeben, was mir aber im Verlauf der zweiten 30er Se­quenz nicht so ganz gelingen wollte. Nach­dem das dritte Mal frische Glut verteilt war, und meine Feuerlauf-Kollegen mich gebeten hatten, doch mal ruhiger zu sein, flüsterte ich vor mich hin: „I do it for Love meine Füße sind geschützt…i do it for peace meine Füße sind vollkommen geschützt….usw.“ Diese Affirmation hat mir sehr geholfen, wie sich später herausstellte, denn ich war derjenige mit den kleinsten Blasen an den Füßen :-)

Das Zeitgefühl verschwindet beim Feuer­lauf vollkommen und das Hier und Jetzt stellt sich ein. Volle Präsenz ist erforderlich, um bei solchen Herausforderungen keinen Schaden davonzutragen. Schätzungsweise haben wir in weniger als einer Stunde un­seren „108er“ gemeistert und waren ab dem Moment schon anerkannte Feuerlauf­trainer. Die Fußsohlen waren in Aufruhr, die Gemüter sehr angeregt und die Herzen schlugen glücklich und stolz in unseren Brust­körben. Es wurde noch eine lange Nacht, bis wir sehr, sehr müde ins Bett gingen.

Als kleine Abschluss-Übung, vor der Ver­leihung der Zertifikate, verbogen wir dann noch ein paar Eisenstangen mit dem be­sagten Halsmuskel, dem Sternothyroid, indem wir diese einfach ansetzten, uns in die Augen schauten und dann aufeinander zugingen. Nachdem wir die Zertifikate feier­lich erhalten hatten, fuhren zu einem Vegan Restaurant am See und dort trennten wir uns in Freude und Einvernehmlichkeit.

Feuerlauf-Trainer Ausbildung

Nun biete ich in meinen künftigen Sem­inaren diese, im Grunde unbeschreibliche, Erfahrung an:

Vorläufige Termine die Feuerlau­fen beinhalten:

24.-26. Juni 2016 „ Back to the Roots“ Kolpinghof , nähe Fulda

Ein WE für deine Seele, dein inneres Kind und deine Lösung

09.-10. Juli 2016 „ Mach dich FREI „ Münchehagen bei Loccum

Löse deine Blockaden und finde innere Ruhe

Mehr INFO : bernardojunimelle@gmail.com bernardojuni.com

Wie Ich zum Feuerlauf-Trainer wurde

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