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FÜNFTER BRIEF

In diesem Brief geht es um die elektrischen Erdfelder und die Leitströme. Dies zu verstehen, sollte nicht sehr schwierig sein. Vielleicht ist es sogar einleuchtender als das, was ich vorher gesagt habe.

MATTEO TAVERA HEILIGE MISSION

Das Elektrofeld der Erde beeinflusst die Atmosphäre unseres Planeten. Um dies zu verdeutlichen (falls Sie es nicht schon wussten), nennen wir dieses Elektrofeld eine Domäne, einen Bereich, der von dieser Elektrizität erfüllt ist. Tatsächlich wird anerkannt, dass eine mit Elektrizität geladene Atmosphäre die Erde umgibt.

Wir wissen ebenfalls, dass die Erde eine kolossale Masse negativer elektrischer Ladung darstellt. Der atmosphärische Bereich der Elektrizität tauscht ständig mit der Erde selbst gewaltige Mengen an Elektrizität aus. Dieser elektrische Bereich, der auf die Erde gerichtet ist, bombardiert sozusagen die Erde und durchdringt sie mit positiver Ladung. Die Erde wiederum gibt negative Ladung an die Atmosphäre ab. Diesen Austausch elektrischer Ladungen zwischen der Erde und der Atmosphäre nennt man Leitungsströme. Der Leiter ist die Atmosphäre selbst, die leicht leitend ist, jedoch auf eine sehr variable Art und Weise.

Ein einfaches Beispiel wird Ihnen das klarer machen. Die Erde enthält negative Elektrizität und in jedem Moment fällt positive Elektrizität auf die Erde. Die Erde empfängt mehr und mehr positive Elektrizität und dürfte daher immer weniger negativ werden. Diese Zerstörung, wenn man sie so nennen will, wird wiederum durch eine weitere negative Kraft verstärkt – die Regentropfen. Sie bringen sowohl negative als auch positive Ionen auf die Erde. Insgesamt sind die positiven Ionen, die auf die Erde fallen, die größeren. Das mag bei einem individuellen Niederschlag nicht unbedingt der Fall sein, aber insgesamt ist es doch so.

Angesichts dieses Mechanismusses ergibt sich die Frage, wieso die Erde dann negativ bleibt? Es wurde nachgewiesen, dass, falls es keine Leitströme in die entgegengesetzte Richtung gäbe, um das Gleichgewicht aufrechtzuerhalten, die negative Ladung der Erde innerhalb einer Stunde neutralisiert werden könnte. Dann wäre kein Leben auf der Erde möglich. Wir werden noch sehen, warum das so ist.

Die Entladungen tragen zur negativen Ladung der Erde bei (nennen wir den Vorgang einfach mal „Entnegativierung“). Er scheint unerklärlich, bizarr und mysteriös zu sein. Für dieses äußerst problematische Rätsel scheint die Wissenschaft die folgende Lösung gefunden zu haben: Die Wolken, die so genannten „Cumuli Nimbi“, diese großen Sturmwolken, die wir so gut kennen, bombardieren die Erde ständig und sehr stark mit negativen Ladungen. Und dies geschieht wirklich in jedem Augenblick.

In jedem Augenblick gibt es irgendwo „Cumuli Nimbi“-Wolken am Himmel. Sie sind die Quelle negativer Elektrizität, die die Erde ständig mit negativer Ladung bombardieren. Wie ich bereits erwähnte, versuchen andere Leitströmungen ständig zu „entnegativieren“. Zu dieser Aufladung der negativen Ladungen durch die Cumuli Nimbi muss man noch die Wirkung von Gewittern hinzunehmen. Diese unterscheiden sich von dem, was wir soeben im Zusammenhang mit den Cumuli Nimbi beschrieben haben. Diese negativ geladenen Blitze, die durch das Niederfallen der Elektrizität auf die Erde entstehen, können manchmal Menschen und Tiere töten und Brände verursachen, sowie viele andere seltsame Phänomene verursachen, mit denen wir alle vertraut sind.

Aber im Gegensatz zu dem, was wir uns so vorstellen, sind die Wirkungen dieser negativen Ladungen von Blitzen, denen der Donner folgt, im Vergleich zu den weniger offensichtlichen, aber häufiger auftretenden Cumuli Nimbi ziemlich unbedeutend.

Die Cumuli Nimbi versorgen die Erde mit negativ geladener Elektrizität, und zwar ohne irgendwelche offensichtlichen Manifestationen, außer dem möglichen kleinen „Unwohlsein“, das man bei bedecktem Himmel empfinden mag. Wie erfolgt also der Austausch von Elektrizität, um zwischen der Erde und der Atmosphäre ein Gleichgewicht aufrechtzuerhalten? Antwort: Durch die Aktivität von Spitzen! Oder ganz einfach ausgedrückt, durch die Wirkung der stabförmigen Spitzen, wie Sie es bereits in Ihrer Schule im Physikunterricht gelernt haben. Elektrizität springt sehr leicht und ohne Funkenbildung von einer Spitze zur anderen. Von einem stumpfen Objekt zum anderen geht das nicht so leicht und da kommt es auch zu einer starken Funkenbildung.

Denken Sie dabei an einen Blitzableiter, bei dem die Elektrizität durch die Spitze ohne Funken in die Erde geleitet wird. Glücklicherweise gibt es Milliarden solcher „Blitzableiter“ überall auf der Welt. Andernfalls gäbe es fast ständig Gewitter mit starken Blitzen. Doch was ist eigentlich ein Blitz? Es handelt sich um eine enorm starke Entladung von Elektrizität, die sich nicht durch Spitzen entladen kann. Der Wissenschaftler Andrew Shotland hat die Menge an Elektrizität gemessen, die während eines Gewitters durch einen vier Meter hohen Baum ging. Er stellte fest, dass die Menge durchaus nicht unbedeutend war. In diesem Fall war klar, dass es sich um einen Austausch der angesammelten positiven Energie der Erde mit der negativen Energie der Cumuli Nimbi in der Atmosphäre handelte, da die Cumuli Nimbi die Erde wieder mit negativer Energie aufladen. Die Wirkungen der Spitzen wurden schon immer wahrgenommen, ohne dass man sich jedoch der wichtigen Rolle bewusst war, die sie beim Austausch der Strömungen zwischen der Atmosphäre und der Erde und der Wahrung des Gleichgewichts der elektrischen Felder der Erde spielen.

So hat man bei Gewittern immer „Feuerbälle“ an der Spitze bestimmter Bäume oder an den Masten von Segelschiffen (Elmsfeuer) bemerkt. Diese Feuerbälle waren unseren Vorfahren ein Rätsel. Die Seefahrer des Mittelalters hielten sie für Teufelswerk, da ihnen stets Stürme folgten. (Manche denken noch heute so.)

Es bleibt festzustellen, dass die elektrische Ladung der Cumulus Nimbus bis heute noch nicht hinreichend erklärt werden konnte. Es gibt zwar einige Hypothesen, und einige von ihnen sind ziemlich überzeugend, darunter Hypothesen von Wilson, die recht plausibel erscheinen.

Aber lassen wir es für den Augenblick dabei bewenden. Wir kennen die Funktion der Cumuli Nimbi, und das ist alles, was wir wissen müssen. Wir wissen über die Strömungen Bescheid, die sich zwischen der Atmosphäre und der Erde hin und her bewegen. Und wir wissen über die tellurischen Ströme Bescheid, die schwachen Ströme, die sich wenige Zentimeter unter der Erdoberfläche horizontal bewegen. So, jetzt haben wir den schwierigen Teil hinter uns. Ich verspreche, dass die folgenden Briefe weniger kompliziert werden.

 

SECHSTER BRIEF

Dies ist ein sehr wichtiger Brief, weil er Ihnen den Begriff „Heilige Mission“ erklärt. Wie Sie bereits aus meinen früheren Briefen erfahren haben, muss die Erde ständig Elektrizität mit der Atmosphäre austauschen, was durch die Spitzen erfolgt, von den Spitzen der Berge bis hinunter zu den spitzen Grasblättern. Es ist unabdingbar, dass die Oberfläche der Erde mit einer ausreichenden Zahl von Spitzen versehen ist, um für diesen ständigen Ausgleich zwischen den positiven und negativen Ladungen zu sorgen.

 

Um also das Recht auf Leben zu erhalten, bittet die Natur die Bäume, an dieser gigantischen Aufgabe teilzunehmen, und dass alle lebendigen Wesen an der Aufrechterhaltung des elektrischen Gleichgewichts auf der Erde mitwirken. Wir müssen verstehen, dass die „Heilige Mission“ kein bloßes Spiel ist. Sie erfordert Disziplin und ständiges Bemühen, so wie ein einfacher Leiter einen konstanten Widerstand ausübt, zum Beispiel ein Kupferdraht.

Um die Sache klarer zu machen, können wir uns eine Vielzahl winzig kleiner Trichter vorstellen, die in jeder Richtung positive gegen negative Energien austauschen – Pflanzen, Blätter, Tannennadeln. Auf die Wirkung von Steinen, Tieren und sogar Menschen werde ich später eingehen. Hier ist also die Definition der „Heiligen Mission“:

Jedem lebendigen Wesen auf der Welt, ob es sich nun um Pflanzen oder Tiere handelt, gesteht die Natur das Recht auf Leben zu, solange es als Antenne für positive oder negative Energien wirkt, z.B. in einem Sturm oder auch bei Sonnenschein, je nach den Bedürfnissen: Spitzen, die in allen natürlichen Dingen vorhanden sind, agieren als Austauschelemente zwischen dem Kosmos und der Erde.“

Alle lebendigen Wesen müssen entsprechend den jeweiligen Bedingungen handeln, die für das einzelne individuelle Wesen gelten. Die eigene individuelle Natur muss durch Anstrengungen erfüllt werden, die von ihr gefordert werden. Das sorgt für den Widerstand (oder die Leitfähigkeit), die den physiologischen Bedürfnissen entspricht. Das bedeutet, dass die Pflichten gegenüber der Erde erfüllt werden, indem die elektrischen Ströme übertragen werden. Das lebendige Wesen hat diese Bedingungen zu erfüllen. Andernfalls gibt es seine Rechte auf Gesundheit und Leben auf, und die Natur wird ständig dafür sorgen. Denken Sie darüber nach! Die Leitströme unterscheiden sich je nach Gebiet und Klima. Sie ändern sich in Übereinstimmung mit den Rhythmen der Jahreszeiten, der Tage, ja selbst der Stunden des Tages.

Sie werden durch die Phasen des Mondes, durch die Emissionen und Eruption der Sonne, durch die Sterne in unserer Galaxie, und möglicherweise auch durch andere meteorologische Bedingungen, bestimmt, sowie durch die Bedürfnisse der Erde, ihr Gleichgewicht usw. Man kann wahrnehmen, dass alle lebendigen Wesen sich diesen offensichtlich variablen Bedingungen anpassen müssen. Man muss sich an die Regeln dieses weitverzweigten Systems halten.

Ich kann mit Ihnen sehr frei über die „Heilige Mission“ sprechen, jetzt wo sie Ihnen bekannt ist. Sie müssen verstehen, dass sie der eigentliche Grund für meine Schriften ist, da sie die Grundlage meiner dargelegten Theorie bildet, und damit das Gesetz, das ich Ihnen klarmachen will, so wie es mir klar geworden ist.

Aus diesem Gesetz haben sich so viele konkrete und greifbare Manifestationen ergeben. Es erklärt so viele bisher unklare Vermutungen, und man kann so viele Dinge entdecken, wenn man es versteht. Selbst wenn ich nur über die grundlegenden Dinge spreche, ist es mir eine Freude, Ihnen diese zahlreichen Briefe zu schicken. Einige haben mit den Anforderungen der Pflanzenwelt zu tun. Darum geht es in meinen ersten Briefen. So werden Sie allmählich mit der Mechanik vertraut. Nachdem Sie ein wenig verstanden haben, werde ich Ihnen öfter schreiben. Sie werden an den Geheimnissen und den Freuden der „Heiligen Mission“ der Tiere und der Menschen teilhaben, von der ihre Gesundheit so sehr abhängt.

Warum habe ich mich für diese anscheinend unlogische Reihenfolge entschieden? Weil ich eine Sache befürchte: Wenn ich mich in meinen Briefen auf den Menschen und die Wirkungen der „Heiligen Mission“ auf sie konzentrierte, dann würden Sie vielleicht nicht mehr die Briefe lesen, in denen ich die Wirkungen beschreibe. Und dies wäre sehr bedauerlich. Außerdem hat sich die Reihenfolge ganz natürlich ergeben, während ich meine Überlegungen anstellte und meine Beobachtungen machte.

Die „Heilige Mission“ der Pflanzen brachte mich ganz natürlich zu der der Tiere und dann zu der der Menschen. Hätte ich die Reihenfolge umgekehrt, dann wären Sie nicht meinem natürlichen Gedankenfluss gefolgt. Aber warum sollte Ihnen diese Reihenfolge auch nicht zusagen? Wenn Sie ein Landwirt sind, dann geht es im nächsten Brief um Ihre Felder, Ihre Bäume, Ihre Weinberge und Ihre Ernte, und ich bin sicher, dass das für Sie sehr interessant sein wird.

Andererseits sind Sie vielleicht ein Philosoph, Biologe, Landwirtschaftsexperte oder Ingenieur oder beschäftigen sich mit irgendeinem anderen wissenschaftlichen Fachgebiet. In diesem Fall werden Sie meine Sprache für solch ein Thema vielleicht ein wenig zu naiv und kindlich finden, aber Sie werden trotzdem eine Menge wissenschaftlicher Aspekte finden, die Ihnen wahrscheinlich zusagen. Vielleicht gehören Sie aber auch nicht zu einer dieser Berufssparten. Aber selbst dann werden Sie diese Sache zu schätzen wissen. Sie werden von der Schönheit der Blumen fasziniert sein, von ihren Farben und ihrem Duft…

 

 

MATTEO TAVERAS „HEILIGE MISSION” fünfter und sechster Brief
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