Autorin: Beate Wiemers

Die Schulmedizin orientiert sich immer noch weitgehend am mechanistischen Weltbild, das sich auf einen metaphysischen Materialismus stützt und auf die Annahme, dass nur Materie existiert und der menschliche Geist nicht „immateriell“ erklärbar sei. Neben anderen Faktoren führten die Technisierung und Bürokratisierung in Kliniken dazu, dass das Personal dort, oder auch in Seniorenheimen, wenig Zeit für den einzelnen Menschen hat und sich bei der „Einschätzung“ der gesundheitlichen Situation der Patienten in erster Linie auf Laborergebnisse, Messdaten, Röntgenaufnahmen etc. bezieht.

 

Klinik-Clowns

Auch wenn gegenwärtig ein Paradigmenwechsel stattfindet und immer mehr Kliniken und Praxen mit naturheilkundlichem bzw. ganzheitlichem Ansatz entstehen, sieht der Alltag in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen oft noch anders aus: Medikamentengabe, strikte zeitliche Abläufe , Apparatemedizin, Untersuchungen nach vorgegebenen Methoden – die teuren Geräte müssen sich schließlich amortisieren und die Buchhaltung will keine roten Zahlen schreiben. Empathie und Freude, Anteilnahme und Ablenkung – das alles steht als „Nebenwirkungen“ nicht auf dem Beipackzettel der vielen Pillen, Tropfen und Dragees.

Menschen in Kliniken, Seniorenheimen oder auf Palliativstationen Freude zu bereiten, haben sich Klinik-Clowns auf die Fahnen geschrieben. Zurück geht diese Idee auf den amerikanischen Arzt Hunter Doherty „Patch“ Adams, der 1972 das „Gesundheit! Institut“ gegründet hat. Sein Leben diente als Vorlage für den sehenswerten Film „Patch Adams“, der mit Robin Williams in der Hauptrolle verfilmt wurde. Patch Adams, Arzt und Klinik-Clown, erkannte schon früh die wichtige Bedeutung von Empathie und Freude sowie die eines vertrauenswürdigen Verhältnisses zwischen Arzt und Patient für alle therapeutischen Prozesse. Heute lebt Adams in Virginia, wo er in Kooperation mit seinem Institut alternative Heilweisen praktiziert. Zudem ist er Schirmherr des Berliner Vereins „namu Art for Life Network e.V.“, mit dessen Akteuren er seit 2009 Kinder in Berliner Kliniken besucht.

Begeisterung statt Apathie

Die hohe Relevanz von Freude, Begeisterung und Spaß für das Wohlbefinden rund um Körper, Geist und Seele wird heute auch durch neuere Erkenntnisse der Hirnforschung bestätigt. Vorreiter auf diesem Gebiet in Deutschland ist Prof. Dr. Gerald Hüther, der vielen Leser/innen sicherlich durch seine zahlreichen Publikationen, wie Bücher und Vorträge, die zu einem großen Teil auch auf youtube zu sehen sind, bekannt ist. Prof. Dr. Hüther entdeckte sogar, dass sich bei Menschen, die von demenziellen Erkrankungen betroffen sind, neue Synapsen im Gehirn bilden können, wenn man sie beispielsweise mit ihnen vertrauter Musik, Poesie und allem, was Freude und Begeisterung auslöst, „behandelt“. Prof. Dr. Hüther engagiert sich zudem für Reformen in der Bildung, die darauf abzielen, mehr Lebendigkeit und Kreativität in den Unterricht einfließen zu lassen, statt starren Lehrplänen zu folgen. Wer sich mehr für die Arbeit dieses renommierten Hirnforschers interessiert, findet im Internet viele Informationen über seine Arbeit.

Sehenswerte Filme in diesem Zusammenhang sind der Film „alphabeth“ von Erich Wagenhofer und der Film „young@heart“, die beide als DVD erhältlich sind. Der Film „young@heart“ begleitet einen US-amerikanischen Laienchor, den der Chorleiter Bob Cilman ins Leben gerufen hat. Dieser Laien-Chor besteht aus etwa 30 – teilweise gesundheitlich sehr eingeschränkten – Sänger/innen im Alter von 70 bis 100 Jahren, der auf berührende Weise veranschaulicht, was Musik und die gemeinsam entfachte Leidenschaft noch im hohen Alter bewirken kann. Der Film „alphabeth“ ist zudem in voller Länge auf dem Internet-Videokanal youtube zu sehen. Der 2013 veröffentlichte Film ist nach „We feed the World“ und „Let’s make money“ der dritte Dokumentarfilm des Österreichers Erwin Wagenhofer.

In dieser Ausgabe berichtet Dieter Loboda, Gestalttherapeut, Buchautor, Dozent und Klinik-Clown, über seine Erfahrungen und beschreibt das, was einen Klinik-Clown auszeichnet. Vielleicht haben einige unserer Leser/innen nach der Lektüre auch Lust, sich die „rote Clownsnase“ aufzusetzen? Denn unabhängig von der positiven Wirkung von Spaß, Lachen und Anteilnahme auf gesundheitlich beeinträchtigte Menschen, dürfte uns allen in Zeiten wie diesen, die politisch und gesellschaftlich noch einige Herausforderungen mit sich bringen dürften, Humor dabei helfen, in unserer Mitte zu bleiben.

„Medizin“ mit positiven Nebenwirkungen
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