Autorin: Beate Wiemers

»Mehr sehen als anderswo« ist die Philosophie von NuoViso Filmproduktion, die Frank Höfer 2007 gründete. Als Film-und Videoeditor beim öffentlich-rechtlichen Fernsehen machte er immer wieder die Erfahrung, dass die mediale Berichterstattung von verantwortlichen Redakteuren, Journalisten und Mitarbeitern nur selten hinterfragt wurde. Insbesondere während der Berichterstattung zu den Terroranschlägen am 11. September 2001 gab es trotz zahlreicher Fragen und Ungereimtheiten keinerlei Interesse, diese auch nur einmal ansatzweise kritisch zu beleuchten.

 

»Es geht alles ungefragt auf Sendung ‚was von oben’ kommt und alle machen mit«, stellte Höfer schon bald fest. Sein Verständnis von Journalismus ist ein anderes. Als Konsequenz daraus wollte er ein eigenes Videoportal gründen, um Menschen, Dingen und Fragen einen Platz zu geben, den es beim Mainstream nicht gibt. So entstand aus persönlichem Interesse an den Vorfällen zu 9/11 auch der Dokumentarfilm »Unter falscher Flagge« mit thematischen Fortsetzungen »Kriegsversprechen 1 & 2«. Es folgten viele weitere Dokumentationen. Dabei stellte Höfer fest, dass es auch abseits politischer Geschehnisse Themen gibt, die keinerlei Beachtung finden, sogar oft belächelt werden.

Internetfernsehen jenseits des Mainstream
Frank Höfer

SoHM: Mit Ihrer Entscheidung, einen sicheren und vermutlich gut bezahlten Job und die damit verbundene Komfortzone zu verlassen, um sich auf ungewisses Terrain zu begeben, bewiesen Sie viel Mut. Was waren die größten Hürden damals, die Sie nehmen mussten?

Höfer: Nun, es war der große Erfolg meines ersten Filmes »Unter falscher Flagge«, welcher von jetzt auf gleich über eine Million mal im Internet angesehen wurde. Dies veranlasste mich, eben jenes Risiko einzugehen, da ich durchaus ein Potential erkannte, von dieser Art unabhängiger Berichterstattung leben zu können. Die anfänglichen Hürden kamen eher aus meinem nahen Umfeld. Verwandte, Bekannte und Freunde redeten auf mich ein, ich solle doch lieber in meiner Komfortzone bleiben und nicht dieses Risiko eingehen. Gegen diesen Widerstand musste ich zunächst ankämpfen. Meine Filme jedoch haben die Kritik schnell verstummen lassen. Heute stehen alle hinter dem was ich mache und können sich auch nicht mehr vorstellen, dass ich mal viele Jahre lang für Sendungen wie die Tagesschau Beiträge geschnitten habe.

SoHM: Glauben Sie, dass Ihren Kollegen aus den Öffentlich-Rechtlichen bewusst ist, dass die Informationen der Mainstream- Medien, beispielsweise im politischen oder medizinischen Bereich, so lückenhaft und oft schlichtweg falsch sind?

Höfer: Nein, das glaube ich nicht. Aus meiner jahrelangen Berufserfahrung in der Produktion von Nachrichtenbeiträgen kann ich sagen, dass vielen der verantwortlichen Redakteure ziemlich egal ist, ob es stimmt, was da gesagt wird. Job ist Job und bald ist Feierabend, lautet die Devise. Die Anzahl derer, welche die Manipulation bemerken, ist überschaubar. Das Lügensystem ist sehr clever aufgezogen und funktioniert hierarchisch. Man widerspricht dem, was von oben kommt, einfach nicht. Sonst ist man seinen Job bald los. Und deswegen fangen viele auch gar nicht erst an, das zu hinterfragen.

SoHM: Sie lassen gerade die Menschen zu Wort kommen, die bei den Mainstream- Medien kein Gehör finden, weil deren Inhalte und Themen dem gegenwärtigen Weltbild und dem Informationsstand vieler widersprechen. Wie veränderte all das Ihre persönliche Sicht auf die Welt?

Höfer: Ich hatte schon in der Schule eine andere Sicht auf die Welt, obwohl es damals das Internet mit dieser Fülle an untermauernden Fakten noch nicht gab. Seitdem ich NuoViso mache, bin ich allerdings selbst auch immer wieder erstaunt, was so alles möglich ist auf unserem Planeten. Je mehr Filme und alternative Beiträge ich produziere, desto mehr wird mir klar: Von dem, was der Mainstream so täglich behauptet, ist das komplette Gegenteil wahr.

SoHM: Wurden Sie konkret bedroht während der zurückliegenden acht Jahre und gibt es gegenwärtig Anfeindungen und wenn ja, von wem und in welcher Form?

Höfer: Nein, ich wurde noch nie bedroht. Anfeindungen ignoriere ich einfach, denn ich akzeptiere die Meinung aller Andersdenkenden und greife selbst auch niemanden an, nur weil er zu einem anderen Schluss kommt als ich. Meistens stelle ich fest, dass die Meinungsdiskrepanzen schlicht auf einem unterschiedlichen Informationsstand beruhen. Vor allem in Diskussionen stelle ich oft fest, dass dem Gegenüber recht schnell die Argumente ausgehen. Leider ziehen nur wenige Menschen Schlüsse daraus und können sich eingestehen, sich einfach geirrt zu haben. Man muss das ja auch erstmal verdauen, wenn man feststellt, dass man sein Leben lang belogen wurde. Andererseits wissen wir aus der Geschichte, dass nahezu jede Generation vor uns von ihrer Regierung verraten und verkauft wurde. Das war in jedem Jahrhundert so und hat sich auch im 21. Jahrhundert (noch) nicht geändert.

nuoviso-logo

SoHM: Was brauchen Sie, um NuoViso weiter nach vorne zu bringen?

Höfer: Geld! Zumindest in diesem System. Ich versuche meine Filme auf DVD zu verkaufen, stelle sie aber gleichzeitig kostenfrei jedem via youtube zur Verfügung. Ein Geschäftsmodell, das nicht gerade lukrativ ist, wie man sich vorstellen kann. Aber es gibt auch Spender, welche erkannt haben, dass wir mit NuoViso eine wichtige Sache machen. So halten wir uns Monat für Monat über Wasser – und das jetzt seit 8 Jahren. Was neben Geld natürlich auch wichtig für uns ist, ist die Verbreitung unserer Inhalte durch den Zuschauer selbst. Wir können uns keinerlei Werbekampagnen oder sonstige Aktionen leisten und sind vollständig darauf angewiesen, dass wir durch die qualitativ anspruchsvoll produzierten Beiträge, den Zuschauer davon überzeugen können, den Inhalt weiterzuempfehlen – ob online oder offline. Wir suchen schon seit Jahren nach dauerhaften Sponsoren, die uns mit einer festen monatlichen Summe unterstützen – denn nur damit können wir kalkulieren. Falls sich durch diese Zeilen jemand dazu berufen fühlt, kann er sich gerne bei mir melden.

SoHM:Ihr aktuelles Filmprojekt beschäftigt sich mit der Situation in der Ukraine. »Ukrainian Agony – Der verschwiegene Krieg« lebt von dem Bildmaterial des Kriegsreporters Mark Bartalmai. Der deutsche Journalist und Fotograf verfügt über Informationen aus erster Hand. Er berichtete auch im Oktober 2014 bei einer Mahnwache in Hamburg von den brutalen Angriffen auf Zivilisten, der Massakrierung von Frauen und Kindern sowie von unzähligen weiteren Gräueltaten, die durch die Regierung in Kiew unterstützt werden. Auch am Ukrainekonflikt ist die große Diskrepanz zwischen den Informationen von Bartalmai und jenen der Mainstream-Medien erkennbar. Können Sie für unsere Leserschaft kurz zusammenfassen, was die Gründe für die lückenhafte und falsche Berichterstattung sind, gerade jetzt mit Blick auf die Ukraine?

Höfer: Das ist einfach zu beantworten. Wir befinden uns in einem sich zuspitzenden Konflikt zwischen der NATO und Russland. In russischen Medien wird ja ganz anders berichtet als in westlichen Medien. Jede Seite unterstellt der anderen Seite die Aggression und versucht, ihr eigenes Volk hinter sich zu bringen. So wie die russischen Medien Staats – und Interessengesteuert sind, sind es unsere natürlich auch. Es ist ein Irrglaube, dass die westlichen Medien auch nur in irgendeiner Form unabhängig oder neutral wären.

Es handelt sich auf beiden Seiten um „»nachgerichtete Informationen«, welche uns »in Form« bringen sollen. Man sollte in diesem Zusammenhang einfach mal mehr auf die ureigene semantische Bedeutung der von uns gebrauchten Worte ‚Acht geben’ – da steckt oft viel Wahrheit drin. Ich selbst war während meines Aufwachprozesses sehr ‚enttäuscht’, bis ich erkannte, dass es ja im Grunde eine sehr gute Sache war, nicht länger ‚getäuscht’ zu werden. Heute bin ich dankbar über jeder ‚Enttäuschung’, denn diese bringt mich der objektiven Wahrheit wieder ein Stückchen näher.

SoHM:Was genau ist denn die objektive Wahrheit in der Ukraine?

Höfer: Diese kenne ich nicht. Aber anhand der mir bekannten Fakten kann ich sagen, dass dieser Konflikt nicht von Russland ausgeht. Was ich erkenne, ist ein Volksaufstand im Donbass (Osten der Ukraine), welcher die Putschregierung in Kiew nicht unterstützen will. Vor allem die von Poroschenko geäußerten russenfeindlichen Aussagen treiben die Ostukrainer in den Widerstand. Die überwiegend russischstämmige Bevölkerung auf der Krim hat sogar sofort die Notbremse gezogen und sich gewissenmaßen gleich mal selbst per eindeutigem Volksentscheid von der Ukraine losgesagt und ist der Russischen Föderation beigetreten. Auch dieser Fakt wurde ja von westlichen Medien komplett auf den Kopf gestellt, die von einer russischen Invasion und Annexion berichteten. Im Donbass will man sich aber gar nicht abspalten. Die Menschen in Donezk, Lugansk und Umgebung fordern einfach nur etwas mehr Mitbestimmungsrecht und wollen sich nicht das Sprechen ihrer Muttersprache verbieten lassen, wie es die Kiewer Junta ja vorsieht. All das hat zu den jetzigen Problemen geführt. Und natürlich darf ich dabei nicht auslassen zu erwähnen, dass vor allem die USA seit Beginn des Maidanaufstandes kräftig Öl ins Feuer gegossen hat. Auch daran wird deutlich, wie mit zweierlei Maß gemessen wird. Unterstützt Putin den Donbass mit humanitären Hilfslieferungen, ist dies eine Aggression. Die amerikanische Unterstützung für Kiew jedoch wird als eine Art Selbstverteidigung dargestellt. In der Berichterstattung über die Nuklearwaffen ist es ähnlich. Amerikanische Atombomben dienen nur der ‚Verteidigung’ und werden mit Milliardensummen lediglich ‚erneuert’; das russische Atomarsenal hingegen dient laut westlichen Medien nur der geplanten ‚Zerstörung aller Feinde’ und jeder Rubel, der in die Erneuerung fließt, wird umgedeutet in ‚Aufrüstung’.

SoHM: Was wünschen Sie sich konkret – privat und beruflich – für die Zukunft?

Höfer: Wenn man Wünsche richtig formuliert und weiß, wie man diese mit Energie versorgen kann, werden diese auch Realität. Oft ist es aber sehr schwer, die richtigen Worte für eine Sache zu finden. Wünsche sind für mich eher Gefühle, die sich nicht formulieren oder beschreiben lassen. Von daher würde ich mich zunächst einmal freuen, wenn immer mehr Menschen beginnen würden, sich selbst zu hinterfragen und dann auch Konsequenzen daraus ziehen. Ich habe meinen sicheren und gut bezahlten Job aufgegeben, weil ich erkannt habe, dass mein Tun zwar meinem Geldbeutel diente, aber niemandem sonst. Ich hoffe, wir können unseren Egoismus eines Tages überwinden in einer neuen Art zu Denken – dann lösen sich ganz viele Probleme von selbst.

SoHM: Wir danken Ihnen für das Interview.

 

Der lang erwartete Dokumentarfilm „Ukrainian Agony“

ukkMark Bartelmai auf der Flucht: Der lang erwartete Dokumentarfilm „Ukrainian Agony“ hat nach seiner Premiere am 18. Juli in Berlin auch die Behörden in der Ukraine erschreckt. Umgehend wurde Mark Bartalmai der Spionage und des Terrorismus angeklagt. Seine Auslieferung in die Ukraine für ein „Gerichtsverfahren“ wird nun gefordert. Dies zeigt, dass eine Berichterstattung alternativer und unabhängiger Reporter, welche vor Ort ihr Leben riskieren, weder gewünscht noch geduldet wird. Für alle, die bisher immer dachten, das alles wäre ein Spiel und weit weg – vielleicht wird es jetzt etwas klarer. Es ist bitterer – für manche tödlicher – Ernst. Und – nein – man kann nicht mal eben die Polizei anrufen und sich beschweren.

Link zum Film

 

NUOVISO – Internetfernsehen jenseits des Mainstream
Markiert in:                    

Schreibe einen Kommentar