Autor: Walter Honegger

Seit über dreißig Jahren entdecken Menschen in fast allen westlichen Ländern ein altes Ritual neu. Was früher in den meisten europäischen Kulturen nicht nur ein Ritual für Mutige oder ein typisch männliches Übergangsritual war, findet heute weit offene Türen in allen Berufsgruppen, spirituellen Kreisen und sozialen Schichten bis hinauf zu den Chefetagen unzähliger Grosskonzerne.

 

Feuerlaufen
Die Kunst sich selbst zu leben beginnt immer öfters mit dem Lauf über glühende Kohlen. Es ist schon fast so ansteckend wie ein Virus und verbreitet sich seit der „Wiederentdeckung“ und Einführung in den Sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts ohne wirklich demografische Regeln:

Das Laufen über ca. 300 – 600 Grad glühend heiße Kohlen

Dabei kennt der Mensch – oder besser gesagt menschenähnliche Wesen – das Element Feuer schon seit ca. 800 000 Jahren! Die eigentliche Nutzung des Feuers liegt nachgewiesen bei ca. 300 000 Jahren.

Über glühende Kohlen gelaufen wird allerdings erst seit ca. 4 000 Jahren.

Der bekannte Satz: „The fire is the food of the shaman“ (das Feuer ist die Nahrung des Schamanen) deutet, historisch, auch auf eine religiöse Verbindung hin. Man weiß, dass der Schamane früher nicht nur Seher, Heiler und Künstler, sondern auch Priester war, da der Schamanimus – vor ca. 20 000 Jahren entstanden – als erste „Jägerreligion“ in die Geschichte eingegangen ist.

Berühmte Beispiele für religiösen Feuermanifestationen entnehmen wir Mythen wie jener des „Feuerbringenden Prometheus“ aus der griechischen Mythologie, oder als Theophanie (Erscheinung des Göttlichen) unter Begleitung von Feuer und Rauch aus der christlichen Tradition, wo in der Osternacht als Zeichen der Auferstehung Jesu Christi Osterfeuer angezündet werden.

Welches aber ist die Faszination, durch die bereits Millionen von Menschen diesem Ruf gefolgt sind und was ist gemeint mit dem oft in diesem Zusammenhang anzutreffenden Satz: „Befreie und entfache dein inneres Feuer“?

Ich erinnere mich an meinen ersten Feuerlauf, den ich in einer kalten Winternacht vor über zwanzig Jahren, inmitten eines heftigen Schneetreibens zu bestehen hatte und weiß, dass auch für mich als Trainer der erste Schritt immer eine Herausforderung sein wird. Dann stehe ich wieder vor diesem wild lodernden, riesigen Feuer und verspreche mir, diesen Lauf nur dann zu tun, genau zu dem Zeitpunkt, wo „das Feuer mich ruft“, nämlich dann, wenn ich Ruhe in meinem Körper fühle, die Angst verschwunden ist und sich dadurch meine innere Chemie mit den äußeren Umständen verschmolzen haben wird…

Mit dem Rechen beginne ich jetzt die Kohlen zu einem Glutteppich auszurechen und die Gruppe bewegt sich langsam zu Trommelklängen um den entstehenden Feuerteppich herum.

Die Glut ist immer noch über tausend Grad heiß und ein paar meiner Augenbrauenhaare versengen, als ich der Glut mit dem Feuerrechen zu nahe komme.

Ich spüre etwas Angst der Teilnehmer aber auch eine sich langsam aufbauende Kraft, die schlussendlich über die uns als Kinder eingepflanzte Erfahrung siegen wird, dass Feuer verbrennt…

Ja! Feuer brennt – wenn wir es zulassen, dass es brennt. So wie alles andere, vor dem wir uns in unserem Leben fürchten und davon rennen uns auch verbrennen kann.

Lebenskraft wird oft blockiert von Ängsten und Zweifeln, die wir alle in uns tragen aber oftmals verbergen oder unterdrücken um sie nicht beachten, spüren oder verarbeiten zu müssen. Das kann zu seelischen und körperlichen Problemen führen, die uns oftmals daran hindern, unsere wahren Begabungen und Talente zu leben und umzusetzen.

„Cogito ergo sum…“ Ich denke also bin ich…

Es ist bekannt, dass wir unsere Computerprogramme periodisch und automatisch updaten und mit neuer Software optimal und kontinuierlich füttern, damit diese fehlerfrei und tadellos funktionieren und mit neuen Anforderungen mithalten können.

Wie steht es mit unserem Biocomputer, jenem Teil in uns, der zwischen unseren beiden Ohren sitzt?

Wenn wir diese Kommandozentrale, oder anders ausgedrückt unseren Verstand, und alles, was dieser Kern des Wissens beinhaltet und steuert, betrachten, stellen wir fest, dass gerade dieser Teil seit Urzeiten nur selten – womöglich noch gar nie – upgedatet und den neuen Umständen angepasst worden ist. Dieser „Neocortex“, wie er in der Wissenschaft genannt wird, der als stammesgeschichtlich jüngster Teil der Großhirnrinde gilt und als Repräsentant für Sinneseindrücke verantwortlich ist, funktioniert und reagiert immer noch mit dem Programm „Survival oft the fittest“: Überleben im Dschungel, also in einer in uns geprägten, gefährlichen Umgebung.

Dieses Überlebensprogramm, auch als Retikuläres Aktivierungssystem bekannt (kurz RAS) ist nichts anderes als die Egostruktur, oder das, was viele fälschlicherweise mit dem „ICH“ verwechseln, mit unserem wahren Selbst, dem lebendigen Teil in uns, der mit der Egostruktur insofern nur die eine Gemeinsamkeit hat, dass sich beide in derselben Hülle befinden und in Koexistenz miteinander funktionieren.

Was aber ständig und den lieben langen Tag da oben „rumschwatzt“, uns Befehle erteilt und Reaktionen auslöst, ist das Ego, jene Struktur, die als Überlebensmechanismus bekannt ist, und solche Updates hasst: „Was in der Vergangenheit passiert ist, gilt als erfahren und allem Neuen wird grundsätzlich skeptisch und ablehnend gegenübergestanden.“

Die intensive Technik des Feuerlaufens hilft uns, diese meist verhärteten und rückständigen Egostrukturen aufzubrechen, uralte Überlebensängste zu verstehen und sie aktiv, in frei werdende Lebensenergie umzuwandeln, die für ein selbstbestimmtes, gesundes und glückliches Leben benötigt werden.

Ich gebe nun den Feuerteppich frei und bin gespannt… Die Trommeln beginnen nun einen gleichmäßigen Rhythmus anzustimmen und ich spüre intuitiv, wie die erste Teilnehmerin über den Feuerteppich läuft.

Ein Freudenschrei: „Ich habe es geschafft“, schreit jemand voller Emotionen, „ich habe es geschafft, das Unmögliche möglich zu machen“. Es entsteht Bewegung im Kreis, die Teilnehmer sind begeistert, es funktioniert!

Einer nach dem anderen beginnt nun über die Glut zu laufen und eine überwältigende, kraftvolle Energie baut sich auf – und „Pele“, die hawaiianische Feuergöttin, lässt es zu, dass wir unverletzt auf ihrer heißen Haut zu tanzen beginnen…

Wie ist das möglich?

Es gab im Verlauf der letzten drei Jahrzehnte viele Versuche seitens der Physik, den Feuerlauf zu verstehen und dadurch zu entmystifizieren: „Warum sich aber von einer Gruppe Leute, die unter den gleichen Bedingungen den Feuerlauf durchführt, sich jemand verletzen kann, konnte von wissenschaftlicher Seite her bis heute nie bewiesen werden, deshalb ist der Feuerlauf nicht wirklich erklärbar und wird weiterhin ein Geheimnis bleiben.“

Ich entsinne mich an eine Fernsehdokumentation von vor über dreißig Jahren, als in den USA die ersten Feuerläufe öffentlich gemacht und im Fernsehen übertragen wurden. Ich erinnere mich so gut daran, weil auch ich es damals nicht fassen konnte, geschweige denn es zugelassen hätte, eine solche Fakir-Nummer an meinem eigenen Leibe zu erfahren.

Die damalige und eine der ersten wissenschaftlichen Erklärungen zum Feuerlauf war, dass sich zwischen der Glut und unserem Fuß ein durch den Schweiß entstehender „Wasserfilm“ es ermöglichen würde, dass wir unverletzt über einen solch heißen Glutteppich laufen können. Wir würden sozusagen auf Wasser laufen! Ein Wunschtraum, der wohl schon in vielen Köpfen herumgegeistert ist.

Die Physiker, die in den 1970-ern diesen „Beweis“ erbringen wollten, bedienten sich des Wissens von Johann Gottlob Leidenfrost, der dieses Phänomen 1756 beschrieben hatte und das als das Leidenfrost- Phänomen bekannt geworden ist: Es ist jener Effekt, der einen auf einem heißem Untergrund springenden Wassertropfen meint, wie dies zum Beispiel in einer heißen Pfanne oder auf einer Herdplatte entstehen kann, wenn man etwas Wasser darauf gibt. Der Dampf ist unter dem Wassertropfen gefangen und entweicht nur langsam. Gleichzeitig entsteht neuer Wasserdampf und der Tropfen gleitet oder „tanzt“ auf dem heißen Material.

Der Leidenfrost-Effekt, ein Wasserfilm aus Fußschweiß, würde jedoch bei Weitem nie ausreichen, das Körpergewicht eines Menschen zu tragen, um ihn so vor Verletzungen zu schützen!

Einen weiteren Beweis der Durchführbarkeit des Feuerlaufens sahen Physiker und Skeptiker darin, dass die Holzkohle eine sehr schlechte Leitfähigkeit besitzt, was uns des Rätsels Lösung bestimmt näher bringt, aber immer noch nicht erklärt und wissenschaftlich beweist, warum von hundert Leuten sich vielleicht einer oder zwei eine kleine Brandblase holen können und die anderen unverletzt darüber gehen!

 

Faszination Feuerlaufen

Wissenschaftlich bewiesen ist nur dann etwas, wenn es zu hundert Prozent eintritt und beliebig oft reproduzierbar ist. Die Leitfähigkeit von Materialien, insbesondere von glühender Holzkohle, ist jedoch wichtig beim Feuerlaufen, so dass wir sie als eine von jenen „Feststellungen“ betrachten wollen, die das Geheimnis noch nicht lüften, aber doch sehr vieles erklären, und den Feuerlauf mit professionell ausgebildeten und erfahrenen Trainern möglich machen. Weitere physikalische Erklärungsmodelle in den letzten dreißig Jahren waren:

Isolation und Wärmeabfuhr

Dies sollte beweisen, dass eine dicke Hornhaut Grund für die Unverletzlichkeit sein sollte. Diese Theorie konnte aber nicht erklären, dass zum Beispiel auch ein sechsjähriges Kind, das bestimmt noch nicht über eine so dicke Hornhaut verfügt, einen solchen Lauf unverletzt hätte machen können. Ich spreche aus eigener Erfahrung und kann anfügen, dass meine beiden Kinder, freiwillig und mit viel Spaß, ihre ersten Feuerläufe in diesem zarten Alter gemacht haben.

Die Erklärung für die Wärmeabfuhr ist, dass unsere autonomen Hirnfunktionen, wenn sie nicht durch z.B.Ängste, negative Gedanken usw. blockiert sind, immer dort im Körper Kühlung hinleiten, wo sie notwendig ist. In unserem Fall des Feuerlaufens, pumpt das Herz viel „kühles Blut“ (ca. 37 Grad) zu den Füssen hinunter, wo beim Feuerlaufen messbare Temperaturen von bis zu 1200 Grad (Weltrekord) herrschen können!

Es gibt noch zwei weitere Versuche, das Phänomen Feuerlauf zu erklären, die aber auch nichts beweisen und selbsterklärend sind:

Kontaktzeit und Gewichtsverteilung

Wenn wir zügig über einen 3-4 Meter langen Feuerteppich schreiten und unseren gesamten Fuß – also nicht punktuell, wie dies beim schnellen Laufen passieren könnte – „abrollen“, ist die Kontaktzeit und die Gewichtsverteilung unserer Füße mit der glühenden Kohle sehr kurz und ausgewogen und die Verbrennungsgefahr dadurch sehr gering.

Lokales Löschen des Feuers durch Sauerstoffentzug

Sobald die gesamte Fußfläche die Kohle berührt, bildet diese eine Barriere, die dem Feuer den Sauerstoff entzieht, das heißt, der Verbrennungsvorgang wird sofort gestoppt und die Temperatur der Kohle fällt unter den Flammpunkt. Eine interessante Aussage – aber keinen Beweis -, dass es funktioniert, lieferte uns damals Tolly Burkan (USA), der „Vater der neuen Feuerlaufgeneration“, wie er genannt wurde: „Der Geist in der lebendigen Materie bewirkt, dass wir uns beim Feuerlaufen nicht verbrennen.“ Ich möchte diesem Satz nur noch das Wort „ungehindert“ beifügen, was ihn meiner Ansicht nach, perfekt macht:

„Der ungehinderte Geist in der lebendigen Materie bewirkt, dass wir uns beim Feuerlaufen nicht verbrennen.“

Womit wir zum Schlussthema, dem Mentaltraining gelangen, das vieles erklärt und optimiert, was wir als Menschen mit solchen Trainings erreichen können. Es ist sozusagen der mentale „Hochleistungssport“, der uns unsere wirklichen Ziele, Wünsche und Veränderungen durch den Feuerlauf, der Motor und Superleiter für alle diese Ziele sein kann, erkennen und verwirklichen lässt.

Positives Denken und Erfolg durch Feuerlaufen als praktisches Mentaltraining

Feuerlaufen ist Mentalarbeit, die mit lebendiger und ungehinderter Geisteskraft arbeitet, angetrieben und genährt durch das Element Feuer. Wir alle wollen mehr aus unserem Leben machen, weil wir wissen, dass es einen Anfang und ein Ende hat.

Und damit wir dieser manchmal kurzen Zeit mehr Leben geben können, machen wir mehr aus dieser Zeit, die uns zur Verfügung steht. Unser Leben hängt davon ab, wie und was wir denken und fühlen, weil wir dadurch unsere Erfolge und Misserfolge selber gestalten. Niemand muss unangenehme Umstände akzeptieren, das Leben ist das, was wir daraus machen! Beginnen wir damit, die Verantwortung für unser Leben selbst in die Hand zu nehmen, und beschuldigen wir nicht immer andere, wenn wir uns nicht wohl fühlen oder uns gerade nicht gelingt, was wir uns vorgenommen haben. Mit dem Feuerlaufen als Mentaltraining lernen wir die Gedankenkraft zu entdecken, zu entwickeln und wirkungsvoll einzusetzen und alles loszulassen, was nicht zu einem erfüllten Leben gehört.

Wir erfahren, wie wir Wünsche erfüllen und Ziele erreichen können und wir bekommen dadurch ein Wissen in die Hand, durch das wir uns selbst dort umprogrammieren oder „updaten“ können, wo wir es wollen, zum Beispiel bei zu viel Angst, Stress, Unsicherheiten und Hemmungen oder in anderen Extremsituationen unseres Lebens. Durch positives oder negatives Denken erschaffen wir die Voraussetzungen für unser Leben. Wer positiv denkt lebt meistens gesünder und länger.

Durch das tägliche sich berieseln lassen durch Negativmeldungen aus Zeitungen, Fernsehen oder anderen Medien, programmieren wir uns oft unbewusst und lassen uns so durch den herrschenden Zeitgeist lenken und manipulieren. Befreien wir uns endlich von diesen Fesseln und Manipulationen und beeinflussen uns lieber durch unseren Geist und nehmen das bewusst wahr, was wirklich ist: Das „Geheimnis“ des Feuerlaufens zu entdecken kann Ihr Leben verändern! Wenn Sie es schaffen, etwas Unmögliches möglich zu machen, entdecken Sie, dass Ihre Gedanken alles andere in Ihrem Leben beeinflussen. Gedanken verändern die Chemie im Hirn, was wiederum eine Veränderung der Chemie im Körper nach sich zieht. Mittels eben dieser Gedanken erschaffen Sie Ihre persönliche Wirklichkeit. So ist der Feuerlauf ein Schritt auf dem Weg der Selbstentdeckung und alte Glaubensmuster und Grenzen werden überwunden, was zu mehr Selbstvertrauen, Wachstum, persönlicher Verantwortung, Freiheit und Ganzheit führt.

Achtung

Feuerlaufen ist keine Angelegenheit, die man über das Wochenende mit ein paar Freunden zusammen zu Hause im Garten oder im Wald ausprobieren sollte! Das ist viel zu gefährlich und kann zu ernsthaft schweren Verletzungen führen, und ich rate dringendst von solchen Versuchen ab. Lassen Sie sich durch einen ausgebildeten und erfahrenen Feuerlauftrainer den Lauf durchführen und hüten Sie sich vor unseriösen Angeboten. Walter Honegger ist Lehrer für Feuerlaufausbildungen und Company-Events im europäischen Raum. Seine Seminare verändern Menschen positiv und führen sie zu ihren wahren Zielen.

 

: Die „Bühnen“ seiner diversen Ausbildungen (Fotograf, Texter, PR, Journalismus) brachten ihn, nach einigen intensiven Prozessen und Reisen bei indigenen Völkern in Mexiko und Guatemala zu den Ursprüngen und den Themen seines damaligen Lieblingsautor, Carlos Castaneda, zum Schamanismus und etwas später zum Feuerlauf. Er erkannte, dass diese alten und wiederentdeckten Systeme Sinn machen und gut funktionieren. Er beschäftigt sich seit bald dreissig Jahren mit den Themen Feuerlauf und Schamanismus nebst anderen überaus wichtigen und globalen und interkulturellen Themen. Seine Mentoren waren die Spirits und Verbündeten aus der naW, Indigene aus Mexico und Guatemala, und weitere Wegbereiter wie Michael Harner, Tolly Burkan, Anthony Robbins, Sandra Ingerman… Das Booklet „Entfache Dein inneres Feuer“ (PDF, 38 Seiten) erhalten Sie kostenlos über den folgenden Link: http://www.walk-on-fire.eu/

Faszination Feuerlaufen

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