Autorin: Mona Bodenmann

Ein paar Sätze zu meinem Roman „Isabelle“ von Mona Bodenmann517MFbXGJJL._SX330_BO1,204,203,200_

Wales wird von Fremden häufig mit England in einen Topf geworfen, doch die Waliser gehören zu einer Minderheitsnation, die alles daran gesetzt hat, im Verlauf der komplexen Geschichte ihr historisches Selbstwertgefühl und ihre eigene Identität zu bewahren. Bis die Römer kamen und danach die Angelsachsen, also lange bevor es ein England gab, waren die in Wales ansässigen Kelten, die Cymry, die ursprünglichen Briten. Bis heute unterscheidet sich Wales von seinem mächtigen Nachbarn England, und immer noch beherrscht jeder Fünfte seiner Einwohner, Cymraeg, Walisisch, eine der ältesten Sprachen Europas.

Doch nun zu meinem Roman

Doch nun zu meinem Roman: Um ihrem Kummer, der endlosen Grübelei und den Erinnerungen zu entkommen, bricht Isabelle, die Heldin meiner Geschichte, auf nach Wales, in der Hoffnung, ihre Vergangenheit hinter sich zu lassen und einen Schlussstrich darunter zu ziehen. Sie wählt für ihre Wanderreise den Pembrokeshire Coast Path am Atlantischen Ozean, der inmitten eines Nationalparks liegt und zu den imposantesten Küstenwanderwegen der Welt zählt. Spätestens seit Hape Kerkelings Beststeller ‚Ich bin dann mal weg‘ ist Pilgern zum Trend geworden.

Auch wenn der Pembrokeshire Küstenpfad offiziell kein Pilgerweg ist, würde er diese Bezeichnung sehr wohl verdienen. Ist das Meer nicht schon seit jeher ein Sinnbild für Geburt, Transformation und für die Ewigkeit? Heilige Berge, Quellen, Brunnen, Höhlen, Kapellen und sogar eine mächtige Kathedrale in St. David liegen am oder unweit des Weges und laden zur Kontemplation und Selbsterforschung ein. Bis weit ins Mittelalter war die Kathedrale in St. David ein bedeutendes Pilgerzentrum und Wales mit seiner Überfülle einheimischer Heiligen ein beliebtes Pilgerland.

Wie wir alle wissen, geht es beim Pilgern aber um weit mehr als eine Fußreise zu einer religiös verehrten Stätte. Längst ist eine sogenannte Pilgerreise auch nicht mehr ausschließlich religiös motiviert. Vielmehr geht es dabei um Selbstfindung und Selbstergründung. Mich als Autorin hat eine innere Sehnsucht und die Frage: Wer bin ich wirklich? dazu angetrieben, den Pembrokeshire Küstenpfad unter die Füße zu nehmen, Altes hinter mir zu lassen und mich auf Unbekanntes einzulassen.

Der Weg als Metapher für den Lebensweg

Der Weg als Metapher für den Lebensweg, der oft steinig und öde ist. Mit Leib und Seele mich dem auszusetzen, was verhindert, dass ich meine wahre Natur erkenne, offen zu sein für das Unerklärbare, den freudvollen wie auch den leidvollen Augenblicken Raum zu geben, mich offen und verletzlich mir selbst zu widmen, und damit zur eigenen Mitte und zur eigenen Kraft zu finden.

Zurück zu meiner Protagonistin Isabelle, einer Frau in der Lebensmitte. Sie hat keine Pilgerreise im Sinn und mit Gott hat sie auch nichts am Hut. Dennoch wird die Reise im Außen – in einem anderen Land und einer fremden Kultur – zu einer Reise in die bis dahin unerforschten Regionen ihres Inneren. Fröstelnd, einsam und in sich gekehrt, macht sie sich auf den Weg. Sie ahnt nicht, dass sie sich mit jedem Schritt, den sie tut, auf ein Abenteuer einlässt, das sie zu sich selbst führen wird.

In einem Pub lernt sie einen alten Waliser namens Geraint kennen, der die Gegend kennt wie seine Hosentasche. Anfangs wundert sie sich über diesen merkwürdigen Kauz mit den wachen Augen und dem regen Geist, der ihr ein Obdachloser zu sein scheint. Geraint, der sich im Laufe seines langen Lebens in verschiedenen Berufe wie Lehrer, Hymnensänger, Dichter und Barde verwirklichte, ist überall in Pembrokeshire ein gern gesehener Gast. Es scheint kaum ein Pub oder einen Ort zu geben, wo man ihn nicht kennt und willkommen heißt. Die Waliser nennen ihn ‚Geraint doeth‘, was auf Walisisch so viel wie ‚Geraint, der Weise‘ bedeutet. Seine Mission ist die Wahrheit – und nichts liegt ihm mehr am Herzen, als Licht ins Dunkel zu bringen. Weil sich Isabelles und Geraints Wege auf dem Pembrokeshire Küstenpfad immer wieder zufällig kreuzen, ergeben sich zwischen den beiden unterschiedlichen Charakteren Begegnungen und Gespräche, die Isabelle bei jedem Zusammentreffen immer weiter und schließlich mitten ins Zentrum ihres tosenden Schmerzes führen. Geraint erweist sich als Bewusstheitslehrer und Heiler, der Isabelle zum richtigen Zeitpunkt findet und ihr die Hand reicht.

Mein Roman ist unterteilt in 34 Wanderetappen

Mein Roman ist unterteilt in 34 Wanderetappen. Über jede Teilstrecke auf dem Pembrokeshire Küstenpfad erfährt der Leser einiges über Land und Leute, über die Vergangenheit und die Gegenwart. Gleichzeitig weckt mein Buch auch den tiefen Wunsch, sich selbst zu kennen und zu erforschen. Und so ist ‚Isabelle‘ ein Reiseführer nach außen und nach innen.

Wer es wagt, den 186 Meilen langen Pembrokeshire Coast Path zu erwandern, wird mehrfach belohnt. Fast immer hat der Wanderer die tosende Brandung im Blick, dramatische Meeresklippen, dazwischen wunderschöne, einsame Sandstrände und kleine vorgelagerte Inseln, Brutstätte vieler Seevögel, darunter Sturmmöwen, Trottellummen und Tordalken. Schroff und felsig wie die Küsten von Schottland, klimatisch so mild wie Cornwall – dem Golfstrom sei Dank –, ist der Südwesten von Wales ein wahres Wanderparadies. Und wer weiß, vielleicht werden auch Sie auf dem Pfad oder in einem angrenzenden Pub die Bekanntschaft von ‚Geraint doeth‘ machen, und ich kann Ihnen versichern, dass Sie ihn so schnell nicht wieder vergessen werden.

„Isabelle“ von Mona Bodenmann Das Neue Licht / Jim Humble Verlag

ISBN: 9789088790782 Print-Ausgabe

ISBN: 9789088790799 Ebook-Ausgabe

Ein Reiseführer nach außen und nach innen
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